Kempten Zwei Drittel aller angezeigten Straftaten in der Region werden aufgeklärt. Das ist die gute Nachricht, die Polizeipräsident Hans-Jürgen Memel gestern in Kempten zu verkünden hatte. Die schlechte: Der Alltag seiner Kollegen ist immer mehr vom Umgang mit Gewalt geprägt. Meist ist dabei auch Alkohol im Spiel.
Bei allen „klassischen“ Kriminalitätsfeldern sei ein Rückgang zu verzeichnen, so Memel bei der Präsentation der Kriminalitätsstatistik für das Jahr 2011. Doch die Gewaltkriminalität entwickle sich immer mehr zum „Sorgenkind“ der Polizei zwischen Alpen und Donau. „Erstmals seit 2007 musste wieder ein Anstieg in diesem Deliktsbereich verzeichnet werden“, so Memel.
„Es gibt zwei Opfer dieses Anstiegs: Das eine sind die Bürgerinnen und Bürger, die Gewalt ausgesetzt sind. Und wenn es nur eine Watschn ist. Das andere sind meine Kolleginnen und Kollegen, die damit umgehen müssen.“ Einsätze mit Betrunkenen seien kein Zuckerschlecken für die Polizeibeamten. „Man braucht eine dicke Haut, um das auszuhalten.“ Nach den aktuellen Zahlen des Präsidiums ist jeder sechste Tatverdächtige, mit dem es die Beamten zu tun bekommen, alkoholisiert. Im Jahr 2001 war es nur jeder zehnte.
Besonders stark gestiegen im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Gewaltdelikte im Landkreis und der Stadt Günzburg. 187 Fälle aus diesem Bereich sind im Jahr 2011 im Landkreis aktenkundig geworden, das entspricht einer Steigerung um 18,4 Prozent. Mehr Gewalttaten gab es im Präsidiumsbereich nur im Landkreis Neu-Ulm, wo eine Steigerung um 12,8 Prozent auf 317 Fälle zu verzeichnen ist.
Doch die Polizeibeamten haben sich nicht nur mit Gewaltdelikten gegen andere zu befassen – immer häufiger werden sie selbst Opfer von Gewalt. „Im Bereich des Polizeipräsidiums Kempten haben wir vier von elf Städten bayernweit – die Großstädte ausgenommen – die hier die höchste Häufigkeitszahl aufweisen“, so Memel. In Kempten, Memmingen, Kaufbeuren und Neu-Ulm gab es demnach besonders viele Fälle von Gewalt gegen Polizeibeamte.
Der Landkreis Günzburg gibt hingegen Rätsel auf: Er liege dagegen weit hinten, was die Häufigkeit von Übergriffen gegen Polizeibeamte anbelange. Woran das liegt, kann sich auch der Polizeipräsident derzeit nicht so recht erklären. „Wir werden die Statistik in den nächsten Jahren weiter führen, um Ursachen herauszufinden.“
Allgemein zeigt sich eine klare Ursache für die gestiegene Gewaltbereitschaft gegen die Ordnungshüter: Fast 71 Prozent der Tatverdächtigen in diesem Bereich sind betrunken.