In der Arena sind die Lichter ausgegangen. Die Günzburger Diskothek an der A8 im Autohof Günztal ist seit Montag geschlossen. Wie es hieß, soll der Betreiber freiwillig die Schlüssel an den Immobilienbesitzer zurückgegeben haben. Vorausgegangen war ein monatelanger Rechtsstreit, weil der Pächter offensichtlich die Miete entweder gar nicht oder nur noch lückenhaft bezahlt hat. Aktuell geht es nach Informationen unserer Zeitung um Ausstände in Höhe von 400.000 Euro. Der Eigentümer stellte beim Landgericht Memmingen Antrag auf Räumung, das Gericht gab ihm schließlich recht. Die Diskobetreiber sind seit zwei Tagen weder telefonisch noch per E-Mail erreichbar.
Mit ein paar dürren Zeilen beendete das Arena-Günzburg-Team am Montag ihr zweijähriges Gastspiel in Günzburg. Auf Facebook schrieben sie: „Liebe Freunde, leider müssen wir euch mitteilen, dass wir ab sofort geschlossen haben. Die Entscheidung ist heute gefallen und hiermit verkündet. Danke an zwei Jahre Wahnsinns-Partys :) Und .... bleibt neugierig ;) Liebe Grüße Euer Arena Günzburg Team.“
Von dieser Nachricht wurden auch die Mitarbeiter überrascht. Die meisten sind Minijobber. Einige erfuhren via Facebook vom Aus der Diskothek. Dass es zuvor immer wieder zu Geldproblemen kam, ist ihnen aber nicht verborgen geblieben. „Manchmal hat es den Lohn verspätet gegeben, manchmal gar nicht“, berichtet eine Kellnerin.
„Die haben alle Register gezogen“, meint ein Insider
Wer sich näher mit der Betreiberstruktur befasst, der stößt entweder auf eine Mauer des Schweigens oder auf ein undurchsichtiges Wirrwarr. Da war einmal von einer Andrea Henkel als Geschäftsführerin die Rede, dann wieder von einem Roland Rottmann. Während der zwei Jahre tauchten verschiedene Firmen auf, die alle sehr ähnlich klingen, und diverse Firmensitze. „Das waren alles juristische Schachzüge. Die haben alle Register gezogen“, meint ein Insider.
In diesem schwer zu durchschauenden Dschungel hatten auch der Immobilienbesitzer und Behörden so ihre Probleme. Der Eigentümer, die Gesellschaft „Mivne Ta’Asiya“ mit Sitz in Berlin, zog die Notbremse, nachdem seit Herbst 2011 keine Pacht mehr bezahlt worden war. Der Verwalter, die Paul Immobilien (ebenfalls Berlin), sei immer wieder vertröstet worden, hieß es. Man erteilte den Discobetreibern im Dezember eine fristlose Kündigung. Fristen verstrichen, worauf im Januar eine Räumungsklage folgte. Doch es war offenbar nicht so einfach, die Discomacher „rauszubekommen“, denn inzwischen hatte die Betreiberfirma „Queen’s Gastronomie und Tanz GmbH und Co. KG“ den Tanztempel offenbar an die „Queen’s Gastronomie und Tanz GmbH“ untervermietet. Doch die Untermieter hatten keine Schankerlaubnis. Daraufhin rückten Polizei und städtisches Ordnungsamt an. Das war vor vier Wochen. „Das Inhaberverhältnis war unklar, konnte aber vor Ort geklärt werden“, teilte die Sprecherin der Stadt, Sabrina Schmidt, auf Anfrage mit. Am vergangenen Montag gaben die Betreiber die Schlüssel zurück – „freiwillig“, wie es hieß. „Sie haben gesehen, dass ihre Situation aussichtslos ist“, sagte ein Beteiligter.
Anschließend fand in Günzburg ein Gespräch zwischen den Vertretern des Eigentümers und des Diskobetreibers statt – mit Anwälten und auf „neutralem Boden“. Man traf sich in den Räumen des Architekturbüros Wintoch. Wintoch war damals Bauleiter, als Diskothek und „max-y-mas“ an der Wilhelm-Maybach-Straße entstanden. Beide Objekte gehören „Mivne Ta’Asyia“ und stehen nun leer. Nach unbestätigten Informationen sollen die Pächter dem Eigentümer angeboten haben, die Immobilie für 1,4 Millionen Euro zu kaufen. Doch der soll sich gefragt haben: Wie wollen die das Geld aufbringen? Christian Gau von der „Fishman Holdings“, die die Immobilien von „Mivne Ta’Asiya“ betreut, sagte: „Es gab kein offizielles Verkaufsangebot.“
Ob in das Gebäude wieder eine Disco kommt, ist offen. „Wir wollen das Objekt wieder vermieten und sind offen für alles. Entscheidend ist, dass uns ein vernünftiges Konzept vorgelegt wird, das langfristig tragbar ist“, sagte Gau.