Von Franz J. Paul
Landkreis Was sich gestern in sämtlichen Pfarreien der Stadt Günzburg ereignete, lief so auch in vielen katholischen Kirchen des Landkreises ab: Nach dem Sonntagsgottesdienst zogen die Gläubigen gemeinsam aus der Kirche aus, vorneweg Ministranten und Geistliche, und bildeten eine Menschenkette um das Gotteshaus. „Kirche umarmen“ hieß die Aktion und rief in priesterarmer Zeit buchstäblich auf, die Kirche im Ort zu lassen. Auch an Sonn- und Feiertagen, brachten die Kirchgänger deutlich zum Ausruck, wollten sie sich in „ihrer“ heimischen Kirche zu Eucharistiefeier und – ersatzweise – zu Wort-Gottesdiensten versammeln.
Leichter Nieselregen störte morgens niemanden, nicht in Deffingen, Wasserburg, Reisensburg, Riedhausen, St. Martin und Heilig Geist. Im Stadtteil Deffingen besuchten am 2. Fastensonntag 80 von etwa 480 gemeldeten Katholiken die Messfeier mit Stadtpfarrer Ulrich Däubler. Sie reagierten auf den am 1. Fastensonntag verlesenen Hirtenbrief des Augsburger Bischofs Konrad Zdarsa, der für größere Einheiten plädierte, zentrale sonntägliche Eucharistieorte plant und dort auch Laienvertretungen (gewählt und ernannt) anstrebt . Priesterlose Wort-Gottes-Feiern an Sonntagen, so sein Credo, steuerten in die falsche Richtung, sie werteten den Notbehelf auf. Etwaige Fahrten, unternommen mit Bekannten und Nachbarn zur Sonntagsmesse, förderten dagegen die größere Christengemeinschaft.
Pfarrer Ulrich Däubler verzichtete auf eine Predigt zum Sonntagsevangelium. Er stellte sich ohne Wenn und Aber hinter „Kirche vor Ort“ und befürwortete das „Zeichen der Solidarität“. Deffingen müsse bei der Raumplanung 2025 erhalten bleiben, „hier sind wir daheim“. Die Deffinger Ulrichskirche werde mit „Opfern der Deffinger laufend erhalten und verschönert“.
Ilse Großklaß, Vorsitzende des Deffinger Frauen- und Mütterkreises und Organisatorin der Menschenkette, durfte sich über ihren „hundertprozentigen Erfolg“ von Herzen freuen. Alle Kirchenbesucher, auch jene von der Empore und solche, die nicht gut zu Fuß sind, fassten sich an den Händen und verlängerten die von Ulrich Däubler und dem Messdienerinnenpaar begonnene lebende Kette. Sie umrundete einmal die Ulrichskriche. Däubler beendete die „Umarmung“ mit dem Vaterunser und segnete die Gläubigenschar.
Bürgermeister Anton Gollmitzer ergänzte sein positives Deffinger Echo um deutliche Kritik an der bischöflichen Haltung. Alle Vorgänger von Konrad Zdarsa hätten sich an das II. Vatikanische Konzil gehalten und deshalb Wortgottes-Feiern als Behelf an Sonntagen geduldet. „Da muss Bischof Konrad noch dazulernen, er wird nach den zahlreichen Aussprachen wohl einlenken, soll der Kontakt zwischen Bistumsleitung und uns Christen vor Ort erhalten bleiben“, sagte Gollmitzer.
Zur selben Stunde erlebten 70 Besucher in der Kirche St. Josef (Wasserburg) gleiche uneingeschränkte Anteilnahme. Richard Wagner, Heinrich Bierling und Margit Schuler stellten sich sofort in die Reihe ein und stimmten mit Stadtpfarrer Peter Seidel und Diakon Peter Trapp in Text und Gesang ein: „Freut euch, wir sind Gottes Volk, erwählt durch seine Gnade“.
Auch die Bibertaler Kirchengemeinden St. Mauritius Kissendorf (Samstagabend) und St. Margareta in Bühl (Sonntag) bildeten eine starke Menschenkette um ihre Kirchen. Ein besonders starkes Echo auf die Aktion beobachtete man in Gundremmingen, wo die Zahl der Besucher(217) größer war als der Umfang der Martinskirche. Pfarrer Richard Harlacher: „Wir mussten einen großen Kreis bilden, wir läuteten während der Aktion alle Glocken.“