Stein des Anstoßes ist der Paragraf 73b, den die FDP laut Hausärzteverband durch bestimmte Änderungen unwirksam machen will. Hausärzten soll es dann nicht mehr möglich sein, Sonderverträge abzuschließen (siehe Info) und auf diesem Weg höhere Honorare von den Kassen zu bekommen. "Das ist für uns tödlich", sagte Kosanke. Wenn es so kommen wird, wie es derzeit im Gesetzesentwurf der Bundesregierung steht, gibt es in drei Jahren schon 30 Prozent der Hausarztpraxen nicht mehr, prophezeit Krombholz.
Ärzte wollen Direktverträge
Der Hausärzteverband will deswegen aus dem KV-System aussteigen und künftig Direktverträge mit den Kassen abschließen, erklärte Krombholz. Die Kassenärztliche Vereinigung als Zwischeninstanz würde dann wegfallen, für den Patienten aber solle sich gar nichts ändern. "Wir wollen nicht mehr Geld", betonte Kosanke. Ziel sei es viel mehr, das medizinische Versorgungsangebot so zu erhalten, wie es momentan existiert.
Nüßlein zeigte sich dem Vorschlag gegenüber aufgeschlossen. "Wenn Patienten und Kosten dabei im Auge behalten werden, sehe ich kein Problem", sagte er. In keinem Fall dürfe der Systemausstieg zulasten des Patienten gehen. Auch Bayerns Gesundheitsminister Markus Söder sei nicht gegen den neuen Ansatz. Der Haken sei, so Nüßlein, dass es in Berlin nun mal keine CSU-Alleinregierung gibt. "Wir haben unser Möglichstes getan, den Paragrafen 73b zu verteidigen." Zumindest sei es der CSU gelungen, die Bestandsgarantie für bestehende Hausarztverträge von 2012 auf Mitte 2014 zu verlängern.
Den Hausärzten ist das zu wenig. Ohne langfristige Sicherheiten könnten keine jungen Hausärzte geworben werden, sagte Kosanke. Die geplante Gesetzesänderung rufe gerade bei jungen Ärzten große Existenzängste hervor. Besonders betroffen seien die Hausärzte im ländlichen Raum. Nüßlein betonte, dass die Versorgung im ländlichen Raum für ihn Priorität habe: "Ich will in Thannhausen zum Arzt gehen können und nicht nach Günzburg oder Memmingen fahren müssen", verdeutlichte er.
Um den Ausstieg aus dem KV-System möglich zu machen, müssen 60 Prozent aller bayerischen Hausärzte den Schritt mitgehen und ihre kassenärztliche Zulassung aufgeben. Im Januar soll es zur Abstimmung kommen. Krombholz ist zuversichtlich, dass es diese Mehrheit geben wird. "Wir haben keinen Plan B." Von der Politik erhoffen sich die Ärzte Verständnis und die notwendige Logistik. Eine Alternative gebe es aus ihrer Sicht nicht: "Ausstieg oder Pleite", sagte Kosanke.