Sonntag, 4. Dezember 2016

16. September 2013 15:41 Uhr

Gundremmingen

Kernkraftwerk: Erneut Defekt an Brennelement entdeckt

Im Kernkraftwerk Gundremmingen ist erneut ein Defekt an einem Brennelement entdeckt worden. Der betroffene Block B der Anlage geht deshalb diese Woche vom Netz. Von Stefan Drescher und Sascha Borowski

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Ein Brennelement-Defekt ist im Kernkraftwerk Gundremmingen festgestellt worden. Block B der Anlage wird deshalb diese Woche für einen Austausch herunter gefahren. (Archivbild)
Foto: Bernahrd Weizenegger

Der Defekt sei bei einer kontinuierlichen Betriebsüberwachung des Reaktorkerns von Block B festgestellt worden,heißt es in einer Mitteilung des Kraftwerkbetreibers. Der Block soll daher am 19. September vorsorglich heruntergefahren werden, um das betroffene Brennelement zu lokalisieren und auszutauschen. Die Anlage sei dafür technisch ausgelegt. "Spezielle Rückhaltesysteme sorgen auch in diesem Fall für einen sicheren Betrieb.“

Einem Bericht der Kraftwerksgegner "Gemeinsam gegen das Zwischenlager", wonach es auch im Block C Hinweise auf ein defektes Brennelement gebe, widersprach Pressesprecher Tobias Schmidt im Gespräch mit unserer Redaktion jedoch. "Dafür gibt es keinen Anhaltspunkt."

AKW-Betreiber: Keine Gefahr für die Umwelt

Jeder der zwei Blöcke im Kernkraftwerk Gundremmingen besteht aus 784 Brennelementen. In diesen sind jeweils rund 90 Brennstäbe gebündelt. Diese Rohre enthalten Urantabletten. Gibt es ein Leck an einem Brennstab, strömt radioaktives Gas in das Reaktorwasser.

Laut Kraftwerksbetreiber habe der Vorfall jedoch keine "sicherheitstechnisch relevanten Auswirkungen auf die Anlage, das Personal oder die Umwelt“. Alle genehmigten Grenzwerte würden sicher eingehalten, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Aufsichtsbehörde sei über den Sachverhalt informiert, eine Meldepflicht bestehe nach derzeitiger Kenntnislage nicht.

Raimund Kamm vom Forum "Gemeinsam gegen das Zwischenlager" spricht dennoch von einem Gesundheitsrisiko. So würden in den kommenden Tagen im AKW Gundremmingen vermehrt radioaktive Emissionen über den Kamin abgegeben. "Diese liegen zwar unter dem gesetzlichen Grenzwert. Das heißt aber nicht, dass sie gesundheitlich unbedenklich sind."

Zuletzt mehrere technische Zwischenfälle in Gundremmingen

In den vergangenen Monaten war es zu mehreren technischen Zwischenfällen in dem Atomkraftwerk gekommen. Im Frühjahr mussten bereits ein defektes Brennelement ausgetauscht werden. Zudem wurde im Juli unter anderem ein Leck im Kühlsystem entdeckt.

Anfang September gab es im Kernkraftwerk Gundremmingen ein meldepflichtiges Ereignis: Eine Armatur in einem Stickstoffversorgungs-Strang schloss nicht ordnungsgemäß. Ursache sei ein defekter Schalter am Antrieb gewesen, hieß es.

Gegner warnen vor Leistungserhöhung in Gundremmingen

Kamm betont, der jüngste Vorfall sei ein neuer Beleg dafür, wie gefährlich eine Leistungserhöhung im Kernkraftwerk Gundremmingen sei. "Früher gab es alle fünf Jahre einmal einen Defekt, heute jährlich mehrere."

Wie berichtet, möchten die Betreiber die Leistung in den 30 Jahre alten Reaktoren um knapp zwei Prozent bzw. rund 20 Megawatt steigern. Atomkraft-Gegner hatten dem bayerischen Landtag daraufhin eine Petition mit mehr als 6700 Unterschriften überreicht.

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