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Kabarett: Kriminell gute Pointen, messerscharfe Musik

Kabarett

Kriminell gute Pointen, messerscharfe Musik

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    Zu einem stimmigen „Oberwasser“ verwob Kabarettist und Alpenkrimi-Autor Jörg Maurer Textpassagen aus seinem neusten Jennerwein-Krimi mit stets kriminalistisch angehauchten Musikparodien am Konzertflügel. Nicht umsonst hatte ihn das Zehntstadel-Publikum bei der „Best-of-Abstimmung“ auf Platz eins gewählt. Das Publikum war vom Krimi-Kabarettabend restlos begeistert. Und Jörg Maurer von den Leipheimern auch, sagte er jedenfalls.
    Zu einem stimmigen „Oberwasser“ verwob Kabarettist und Alpenkrimi-Autor Jörg Maurer Textpassagen aus seinem neusten Jennerwein-Krimi mit stets kriminalistisch angehauchten Musikparodien am Konzertflügel. Nicht umsonst hatte ihn das Zehntstadel-Publikum bei der „Best-of-Abstimmung“ auf Platz eins gewählt. Das Publikum war vom Krimi-Kabarettabend restlos begeistert. Und Jörg Maurer von den Leipheimern auch, sagte er jedenfalls. Foto: Sandra Kraus

    Leipheim „Du, ich habe alle seine vier Krimis gelesen.“ „Und ich war bei allen drei Auftritten im Zehntstadel dabei!“ Dieser kurze Plausch von zwei Damen während der Pause von Jörg Maurers Krimi-Kabarettabend beschreibt seine Anhänger. Die einen lieben ihn wegen seines genialen Musikkabaretts im Gewirr der schwarzen und weißen Klaviertasten. Die anderen schätzen seine Alpenkrimis, die seit „Föhnlage“ im Jahr 2009 in schöner Regelmäßigkeit jedes Frühjahr erscheinen.

    „Oberwasser“ heißt der von heuer, und wahrhaft Oberwasser hatte Autor Jörg Maurer als absoluter Publikumsliebling und Gewinner der „Best-of-Zehntstadel-Abstimmung“ zum Zehnjährigen des Musentempels. Von der ersten Minute an war das Publikum in diesem Wechselbad aus Autorenlesung und Klavierabend mit dabei.

    Maurers Kommissar Hubertus Jennerwein ermittelt in Garmisch, also führte die erste musikalische Station mit „S´gibt nur a Loisachtal aloa“ geradewegs in die bayerische Volksmusik, um dann ganz unverhofft im Salsa-Takt zu enden. „Jetzt seid´s drin im Werdenfelser Land“, sprach Maurer und griff zum Buch, 1. Kapitel. Man ist gebannt von der kabarettistischen Art des Vortrags, der Mühlriedl und die Holzmayerin in ihrem Stelldichein auf dem Schrottplatz werden lebendig, kleine Seitenhiebe wie die „hochmultiplikativen Ratschkathln“ werden zu Pointen im Vortrag.

    Selbstverständlich wird das Ermittlerteam vorgestellt. Auch die dunkle Seite von Kommissar Jennerwein kommt ans Licht. Er steht so gar nicht auf das Lied „Der Wildschütz Jennerwein“, das vom bayerischen Wilderer Georg Jennerwein erzählt. Wieder wechselt Maurer („Ich war früher einmal Pianist, hab´ nur ein Konzert gegeben.“) mühelos vom Originallied in eine mozartsche, eine südamerikanische und eine himmlische Variation. Noten braucht der Vollblutkünstler nur selten. „Die stehen innen in mir drin“, sagt er auf Nachfrage.

    Ach ja, der biografische Anteil in seinen Alpenkrimis „sei nett so wahnsinnig groß“. Bis auf einen Urururopa, der das händische Wildern praktiziert haben soll. Dafür gibt es eine Einführung in ein Stilmittel beim Krimi. „Tschechows Pistole“, ein zufälliges Requisit, das in Buch oder Film zu Anfang scheinbar belanglos eingeführt wird und dann wichtig wird. Deshalb baumelt also im Zehntstadel ein Golfschläger von der Decke.

    Mit Musikparodien von Beethoven, der „mit seinen wuchtigen Dissonanzen viel Krimimusik geschrieben hat“, Strawinsky, der die Zuhörer „auf Harmonie warten lässt“ und einem „Für Elise, in dem ich einmal die kriminellen Aspekte herausgefiltert habe“, was bedeutet, dass sich Beethovens Originalnoten übergangslos und gekonnt eingeflochten mit „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“ oder „Der 3. Mann“ abwechseln, holt sich Maurer Lacher und Applaus.

    Nach der Pause beweist der Münchner Kabarettist, dass Stalking kein neues Phänomen ist, trällert „Horch was kommt von draußen rein“, stimmt die Stalker-Hymne „Every breath you take I´ll be watching you“ von Police an und läuft dann in der Wiener Moritat „S´horchen liegt mir im Blut“ zur Höchstform auf.

    Schnell ein Szenenwechsel zurück ins Buch, da späht der Polizist Ostler bei einigen Leberkäsesemmeln das Treiben auf dem Marktplatz aus. Als kleines Selbstbekenntnis darf der Reggae „Ich liebe Scheinwerferlicht!“ gelten, auch wenn Maurer im Lied von einem Geisterfahrer singt.

    Der „Showdown in wässrigem Milieu“ wird angekündigt. Logisch, wenn Buch und Abend „Oberwasser“ überschrieben sind. Kapitel 39, Konrad Finger wagt einen Höllenritt in seinem Wildwasserkajak. Er wird aber beobachtet. Von einer Figur, bestückt mit Sturmgewehr samt Zielfernrohr. Punkt. Weiter liest Maurer nicht, selbst lesen ist angesagt. Dafür gibt es noch einen echten Maurer-Blues mit rauchigem Blues, quasi als „Verbeugung vor den Ländern der Krimiliteratur“. Anstatt einer Zugabe bietet Maurer eine „Abrundung des Abends“. „Harmonizer Mozart“ mit dem Lied „Das Veilchen“ kommt zu Gehör. Und Maurer spielt und singt auch vor, wie sich das Veilchen, das die Schäferin so grausam zertritt, bei Schubert, Bach oder Rossini angehört hätte. Genial, wie er das Wesen der einzelnen Komponisten trifft. Langer Applaus begleitet ihn von der Bühne zum Büchertisch, wo er mit Notenzeilen, Violinschlüssel und Unterschrift signiert und die Taschenbücher so zu Unikaten macht.

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