Günzburg Die großflächige Fällung des Baumbestandes auf dem Gelände des Prinz-Eugen-Parkes (PEP) in Günzburg ist in der Bevölkerung auf Widerstand gestoßen. Sieben Bürgerinnen und Bürger aus Günzburg und Leipheim haben in einem Brief an Oberbürgermeister Gerhard Jauernig und die Mitglieder des Stadtrates die Aktion als „naturzerstörerische Vorgehensweise“ bezeichnet. Sie fordern, dass auf der geräumten Fläche wieder auwaldtypische Bäume gepflanzt werden.
Der Rathauschef stellte in einem Antwortschreiben fest, dass „Zeitpunkt und Spontanität der Baumfällaktion, die der Grundstückseigentümer auf dem PEP-Gelände durchgeführt hat, nicht unbedingt den Regeln der Diplomatie entsprechen mögen“. Er, Jauenig, und seine Mitarbeiter der Stadtverwaltung hätten auch erst von den vollendeten Tatsachen erfahren. Bei einer Änderung oder Neuaufstellung des Bebauungsplanes würden sowohl die Öffentlichkeit als auch die Fachbehörden für Naturschutz und Wald beteiligt. „Ich kann Ihnen versichern, dass die Stadt Günzburg wie schon in der Vergangenheit deren Belange ernst nehmen und mit der entsprechenden Gewichtung in die künftige Abwägung einbringen wird“, so Jauernig in dem Brief, in dem er Verständnis für die Verärgerung ausdrückt.
Eigentümer hat drei Jahre Zeit, die Fläche wieder aufzuforsten
In den letzten Februartagen waren an der Lochfelbenstraße mehrere Hundert Bäume der Säge zum Opfer gefallen. Investor und Grundstücks-Miteigentümer Johann Thierer teilte mit, es handle sich um 1,4 Hektar Wald. Damit soll eine Sichtachse auf das Gewerbegebiet von der B16 und Lochfelbenstraße aus hergestellt werden, die für ansiedlungswillige Gewerbebetriebe entscheidend sei.
Nach Aussage des Oberbürgermeisters handelte es sich um Baumfällungen auf einer im Bebauungsplan als Wald festgesetzten Fläche. Der Eigentümer hat nun drei Jahre Zeit, die Fläche wieder aufzuforsten. „Zur Neuplanung können noch keine inhaltlichen Aussagen getroffen werden, da weder eine hinreichend konkrete (Neu-) Planung existiert noch das Änderungsverfahren für den Bebauungsplan begonnen wurde“, schreibt Jauernig. „Ich bin jedoch überzeugt, dass hier ein für Betrachter wie Nutzer attraktives Gewerbegebiet entwickelt werden kann.“ Die Unterzeichner Christine Lunzner, Dr. Ulrich Abmayr, Barbara Dippel, Claudia Eglseer, Rita Jubt, Birgit Rembold (alle Günzburg) sowie Alexander Besdetko (Leipheim) widersprechen Thierer, es habe sich bei dem geräumten Wald nicht um Auwald gehandelt. „Hier handelt es sich um einen Auwald mit Eschen, Ahorn und alten Eichen und mit einem bewegten Bodenrelief, so wie er für die Donau-Auen charakteristisch und in der Umgebung zu finden ist ... Damit wird naturschutzfachlich hochwertiger Lebensraum vernichtet, der nicht mehr ausgeglichen werden kann.“ Bei der Rodung handle es sich nicht um eine ordnungsgemäße Waldbewirtschaftung, kritisieren die Bürger. Sie sind entsetzt gewesen. „Wir verstehen nicht, warum die Stadt Günzburg die bisher attraktive Zufahrt zur Stadt ... mit einem Blick auf bestehende bzw. zukünftige Gewerbebauten sowie Werbetafeln und Werbepylone eintauscht.“