Jettingen-Scheppach Es war ein Abschied mit viel Emotion. Direktor Günter Kühne, bis zu Beginn des Monats Synonym für die Raiffeisenbank Jettingen-Scheppach, hat den Stab weitergereicht und sich in einem Festakt bei Kollegen, Freunden und Prominenz in die Ruhephase der Altersteilzeit verabschiedet.
Als jüngster Geschäftsführer im Genossenschaftsverband mit gerade einmal 21 Jahren übernahm Kühne die recht marode Raiffeisenbank Balzhausen und hat sie in wenigen Jahren nach oben gepuscht. Dieser Erfolg war nach 16 Jahren die Eintrittskarte in die Raiffeisenbank Jettingen, wo er 1985 als „Sanierer“ die dringend notwendigen Erneuerungen durchführen musste.
Eine seiner wichtigsten Aufgaben zu Beginn, so verriet Kühne in seiner Abschiedsrede, sei es gewesen, den Mitarbeitern klar zu machen, dass ihre Arbeit in einer Genossenschaft eine Dienstleistung sei. So gelang es ihm in 27 Jahren als Direktor, die Bilanzsumme seiner Bank von 30 auf rund 100 Millionen Euro zu steigern, würdigte Aufsichtsratsvorsitzender Josef Hegele, der auch daran erinnerte, dass Kühne in seiner leitenden Funktion auch so manche stürmische Zeiten zu meistern hatte. Präsentsein in der Öffentlichkeit des Marktes: Als Dienstleister und als Person, das galt für den Vorstandsvorsitzenden bis zum letzten Arbeitstag. Seine Verdienste für die Raiffeisenbank Jettingen würdigte der Aufsichtsrat mit der Ernennung von Kühne zum Ehrenvorstand.
Offenes Ohr für private Probleme
Bei allen ehrgeizigen Ambitionen sei Kühne immer Mensch geblieben. Seine Mitarbeiter, von ihm stets als Kollegen bezeichnet, plauderten am Festabend so manches charmante Detail aus: Der Chef, der stets ein offenes Ohr und Verständnis für private Krisen und Probleme hatte, der Chef, dem ein gutes Betriebsklima wichtig war, der Offenheit schätzte und auch gerne Freizeit mit seinen Kollegen gestaltete, vom Schafkopfabend bis zum Betriebsausflug.
Doch ließ er dabei nie seine Ziele aus den Augen. Entschlossen, ehrgeizig und zielstrebig war Kühnes Motto: „Such dir ein Ziel, dann findest du den Weg und lass dich durch nichts von diesem Weg abbringen.“ So kann man wohl als typisch für ihn seine Lösung des Lagerhausproblems ansehen: Als Kühne 1985 nach Jettingen kam, war das klassische Lagerhausgeschäft am Boden. Entgegen dem allgemeinen Trend der Genossenschaften, das Warengeschäft aufzugeben, suchte und fand der neue Direktor einen eigenen, letztlich erfolgreichen Weg aus der Krise. Er strukturierte das Angebot um, entwickelte einen sogenannten Großmarkt mit mittlerweile 3000 Artikeln und konnte so die Arbeitsplätze erhalten, ja auf fünf Mitarbeiter ausbauen.
Der Genossenschaftsverband Bayern, der zur Feierstunde von Siegfried Drexl vertreten wurde, verlieh Günter Kühne die Ehrenurkunde und Plakette in Gold, die höchste Auszeichnung, die der Verband für Mitarbeiter vorsieht.