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Mitgliederversammlung: Sterbebegleitung, nicht Sterbehilfe

Mitgliederversammlung

Sterbebegleitung, nicht Sterbehilfe

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    „Wo bleibt die Würde, wenn mobile Teams, bestehend aus einem Arzt und einem Pfleger, durchs Land ziehen und die tödliche Spritze setzen?“Vorsitzender Prof. Wolfgang Schreml
    „Wo bleibt die Würde, wenn mobile Teams, bestehend aus einem Arzt und einem Pfleger, durchs Land ziehen und die tödliche Spritze setzen?“Vorsitzender Prof. Wolfgang Schreml

    Günzburg Die Mitgliederversammlung des Raphael Hospiz Vereins (RHV) setzte ihren Schwerpunkt auf die Würde des Menschen und der geduldigen und ausharrenden Begleitung in der letzten Lebensphase. Dieses Hinwenden zum Nächsten, ein „Miteinander – füreinander“ also, soll altersunabhängig verstanden werden. Die Initiative der katholischen und evangelischen Kirche ruft mit dem Motto der Woche für das Leben dazu auf: „Engagiert für das Leben – mit allen Generationen“.

    Die jungen Musiker Marc Demel (Trompete), Greta Ehlers (Klavier) und Leonard Maas (Cello) sorgten mit ihrem abwechslungsreichen Musikprogramm für Auflockerung und Entspannung während des Abends. Sie verkörperten überzeugend und liebenswert die junge Generation. Das Alter repräsentierte auf seine unnachahmliche Weise Bruno Merk, Gründungsmitglied, langjähriger Kassenprüfer und treuer Förderer des RHV. Er, der kürzlich seinen 90. Geburtstag feierte, wollte an diesem Abend von Lob nichts hören. Er appellierte an die ihm wichtigen Pflichten des Mannes: „Männer müssen sich in der ihnen gestellten Aufgabe bewähren, als Familienväter und als Bürger, die sich wiederum in der Gesellschaft bewähren müssen.“

    Der Vorsitzende Prof. Wolfgang Schreml präsentierte den 32-seitigen Jahresbericht 2011, der an die Teilnehmer ausgeteilt worden war. Von mehr als 2000 Stunden ehrenamtlicher Begleitungen berichtete die leitende Koordinatorin Ingrid Reimlinger. 98 von den 158 Begleitungen des vergangenen Jahres seien abgeschlossen, 60 wurden ins laufende Jahr übernommen. Um die Kostenübernahme der Koordinatorinnen durch die Krankenkassen zu gewährleisten, müssen die Einsatzstunden der ehrenamtlichen Hospizbegleiter dokumentiert werden, so Reimlinger. Der Einsatz der Palliativschwester Petra Pauli, die praxisnah von ihrer Arbeit berichtete, wird über Spendengelder finanziert, da ihre so wichtige Tätigkeit von den Kassen nicht erstattet wird.

    Auf die Kosten für die Palliativpflege wies auch der Schatzmeister Werner Pichler hin. Er appellierte an die Spendenfreudigkeit der Freunde und Förderer des Vereins, damit die Hospizarbeit in gleichbleibender Qualität gewährleistet ist. Mit Freude begrüßte Schreml die neue Bürofachkraft Brigitte Kastler als Nachfolgerin von Michaela Adlassnig und informierte über die an dem Abend verhinderten neuen Mitarbeiterinnen: als 2. Koordinatorin in Teilzeit Petra Scheuer und als Supervisorin Andrea Heinevetter, Nachfolgerin von Ingrid Kienzerle und Marion Wegmann. Martin Brenner legte aus beruflichen Gründen seinen Sitz im Vorstand nieder. Ein Teilabschied fand von Heidi Brosch statt, die seit Vereinsgründung 1997 ehrenamtlich nicht nur die Mitgliedsbeiträge verwaltet, neue Mitglieder begrüßt und den Postversand erledigt hatte; als stellvertretende Vorsitzende bleibt sie dem Verein erhalten.

    Die Würde des einzelnen Menschen soll bis zuletzt gewahrt werden, das ist der Kern der Hospizidee. Schreml sprach voller Sorge über den Trend hin zur Sterbehilfe, die seit 2002 in den Niederlanden praktiziert wird. Auch in der Schweiz wird Todkranken, zum Teil gegen nicht geringes Entgelt „geholfen“. Er erwähnte die vollzogene Sterbehilfe an dem demenzkranken ehemaligen Fußballer Timo Konietzka, die in der Öffentlichkeit breite Zustimmung gefunden hatte. „Wo bleibt die Würde, wenn mobile Teams, bestehend aus je einem Arzt und einem Pfleger, durchs Land ziehen und die tödliche Spritze setzen?“

    Der Vorsitzende zitierte die Begründerin der modernen Hospizbewegung, Cicely Saunders: „Die modernen privaten Sterbehilfebewegungen, die sich ja bereits in einigen Ländern in verschiedenen Formen etabliert haben, haben das Ziel, eine Verkürzung der Sterbezeit für alle möglich zu machen.“ Und sie warnte schon 1984: „Die legale Möglichkeit, einen schnellen Weg zum Tod zu wählen, impliziert, dass der Wert einer sterbenden Person und der Wert des Weges, den diese Person geht, nur gering sind.“

    Fazit: Der Hospizdienst und die Palliativmedizin stehen für ein Leben bis zuletzt und für diesen Trost: Ihnen gilt die Zukunft, nicht der institutionalisierten Beihilfe zum Suizid, hieß es zum Abschluss. (zg)

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