Kaum ist der silbrig schimmernde Vorhang geöffnet, die nostalgische Musik aus den 1930er Jahren verklungen, präsentiert sich auf der Bühne die berühmte Männerrunde. Da erinnern sich die würdigen Herren mit verklärtem Lächeln ihrer Schulzeit, hahaha, das waren noch Zeiten! Da kann der erfolgreiche Autor Dr. Johannes Pfeiffer, der mit den drei "f" - "eins vor dem ei und zwei dahinter" - nur neidvoll den Erzählungen lauschen. Denn er wurde ja von einem Hauslehrer erzogen, sodass ihm solcherlei Streiche fremd sind.
Geschlossene Ensembleleistung
Aber nicht mehr lange. Denn aus dem wohlbestallten Schriftsteller wird alsbald der Primaner Hans. Er entwickelt schnell einen beachtlichen Einfallsreichtum, wenn es darum geht, die Pauker zu ärgern. Die Inszenierung wird zur gelungenen Mixtur aus Posse und augenzwinkerndem Spektakel, das den Zuschauern drei vergnügliche Stunden bereitet. Was Boxhammer und Coniglio bei ihren Inszenierungen stets anstreben, ist die geschlossene Ensembleleistung. Die gelingt wieder perfekt. Dennoch gibt es Rollen, die sozusagen das Sahnehäubchen der Aufführung sind. Basti Weisenberger als Professor Bömmel spricht eine herrliche Mundartmischung aus kölschem Dialekt und Schwäbisch. Die Besucher warten geradezu auf die Sätze "Wat is denn heut dran? De Dampfmaschin. Da stellen mir uns mal janz dumm." Dass ihm die Pennäler ständig einen Schuh klauen, nimmt er nur noch phlegmatisch mit der Bemerkung zur Kenntnis: "Nä, wat habt ihr nen fiesen Charakter."
Sarah Daikeler mimt den Schuldirektor Knauer, genannt "Zeus", mit Rauschebart und grauer Perücke so gut, dass man vergisst, dass sie ein bildhübsches Mädchen ist.
Alle Schauspieler auf die Bühne gebracht
Es ist Wille von Theaterleiter Boxhammer, alle "Schauspieler" von Spectaculum auf die Bühne zu bringen. Und wenn es nicht genügend Männer gibt, dann muss eben eine Frau in eine Männerrolle schlüpfen. Das tut auch ganz entzückend Lisa Nejedli als der immer wieder gehänselte und doch so rührend wirkende Klassenprimus Luck. Johannes Körner als Oberschulrat hat eigentlich einen kurzen aber sprachlich wirkungsvollen Auftritt. Matthias Fünfer als Dr. Pfeiffer lebt sich an der Schule schnell ein, spielt den Pseudo-Primaner mit Witz und Intelligenz. Bisweilen wird er sogar ein bisschen philosophisch im Umgang mit Luck, dem so hilfsbereiten Primus, der für alle die Hausaufgaben erledigt und doch immer wieder von den anderen gepiesackt wird.
Ein besonderer Lorbeer gebührt Fabi Weisenberger als Professor Crey. Wenn er die allseits bekannten Sätze "Send Sie der neue Schöler?" oder "Aber nor einen wenzigen Schlock!" spricht, dann jubelt das Publikum. Ann-Kathrin Didovic als des Direktors Töchterlein Eva verdreht dem Primaner Hans sehr schnell den Kopf. Da ist die elegante Braut Marion (Julia Wiest) chancenlos und entfleucht ins großstädtische Berlin. Tamara Pösl ist eine allseits um das Wohl ihrer Gäste besorgte Pensionswirtin. In den weiteren Rollen: Johannes Füßl, Lena Sparwasser, Marius Welk, Nadine Barth und Luca Coniglio als Schüler.
So wird es am Ende ein Kabinettstückchen
Das Regiegespann Boxhammer/Coniglio emanzipiert sich auf eigene Weise, setzt eigene Ideen um und tut vor allem eines nicht: Beide schielen nicht nach dem Film. So wird aus der Inszenierung ein Kabinettstückchen. Den Akteuren brandet zum Schluss der Beifall minutenlang entgegen. Verdientermaßen!