Einen Tag nach dem Zugunglück am Bahnübergang in Nersingen deutet vieles daraufhin, dass die 77-jährige Autofahrerin, die dort rot blinkende Ampel übersehen hat und auf die Gleise fuhr, als sich die Schranken schon nach unten senkten. Dennoch suchen die Ermittler der Polizei auch nach möglichen technischen Defekten an der Gleisanlage. Anhaltspunkte dafür haben sich aber bislang nicht gefunden. Der Sachschaden geht in die Hunderttausende. Bestätigt sich der Verdacht, dass die Frau den Unfall verursacht hat, wird die Haftpflichtversicherung ihres Autos wohl für den immensen Schaden aufkommen müssen.
Die Bergung des schwer beschädigten Triebkopfes des Hochgeschwindigkeitszuges hatte sich bis weit nach Mitternacht hingezogen. Zunächst musste die Lokomotive von einem Spezialkran angehoben werden, damit die noch festgeklemmten Wrackteile des Autos geborgen werden konnten. Anschließend wurde der beschädigte Zug nach Ulm abgeschleppt. Der Schaden an dem rund 20 Jahre alten Triebkopf konnte die Bahn gestern noch nicht beziffern.
Die Frau hatte nach Polizeiangaben ein „Geschwader von Schutzengeln“. Als sie im Auto sitzend zwischen den Schranken stecken geblieben war, flüchtete sie nach den Zurufen von Augenzeugen, die das drohende Unglück kommen sahen, in letzter Sekunde aus dem Fahrzeug, das dann von dem ICE mit 170 Stundenkilometer erfasst und zermalmt wurde. Die Frau kam mit einem Schock davon. Sie wird erst vernommen, wenn sie sich von dem Schrecken erholt hat. Auch die fast 400 Passagiere des Zuges überstanden den spektakulären Unfall unverletzt. Der Zug wurde evakuiert und die Passagiere mit acht Bussen nach Augsburg gefahren, wo sie in den nächsten Zug steigen konnten und schließlich mit dreistündiger Verspätung München erreichten. Durch den Unfall kam es auf der Strecke Ulm-München zu erheblichen Behinderungen und Verspätungen. Erst um 3 Uhr wurde die Strecke wieder freigegeben.
Unachtsamkeit in 97 Prozent der Unfälle als Ursache
Wie ein Bahnsprecher sagte, ist die Zahl der Unfälle an Bahnübergängen von rund 800 pro Jahr in den 90er Jahren inzwischen auf ein Viertel zurückgegangen. Die verbleibenden 200 seien zu 97 Prozent auf Unachtsamkeit der Straßenverkehrsteilnehmer zurückzuführen und zu drei Prozent auf menschliches Versagen des Bahnpersonals oder technische Defekte.