Ulm Bei den Grabungen für die Fernwärmeleitung auf dem Weinhof wurden direkt vor dem Schwörhaus Teile eines Mauerzugs, ein Brunnen und Fragmente alamannischer Keramik entdeckt.

Dr. Jonathan Scheschkewitz vom Landesdenkmalamt in Esslingen, der derzeit mit der Datierung der jüngst entdeckten Spuren Ulmer Stadtgeschichte befasst ist, ist inzwischen recht sicher, dass Brunnen wie Mauer aus dem späteren Mittelalter - etwa dem 14. Jahrhundert - stammen. Die Keramikfragmente, die sich in der Siedlungsschicht fanden, dürften allerdings aus dem 7. oder 8. Jahrhundert stammen. Damals bereits, so Scheschkewitz, gab es auf dem Weinhof eine qualitätvolle Siedlung einer sozialen Oberschicht.
Bei den Grabungen auf dem Baugrund der neuen Synagoge wird es für die Archäologen jetzt richtig spannend. Nachdem das wohl aus der frühen Neuzeit stammende Pflaster in mühsamer Arbeit abgetragen wurde, dringen sie jetzt in Bereiche vor, die für sie hochinteressant sind. Dass es unter dem Pflaster die Reste von Grubenhäusern aus dem 11./12. Jahrhundert gibt, ist für die Archäologen praktisch unstrittig.
Möglicherweise könnte man aber auf Spuren noch früherer Strukturen stoßen. Eine riesige Überraschung wäre es aber für Dr. Jonathan Scheschkewitz, sollten sich Beweise für den Standort der karolingischen Pfalz auf dem Weinhof finden.
Wo sie stand, ist unter den Fachleuten umstritten. Ein Standort auf dem Weinhof ist eine der drei wahrscheinlichen Interpretationen.
Er sei aber auch offen für die beiden anderen vermuteten Standorte, so Dr. Scheschkewitz: Die karolingische Pfalz könnte sich auch bei der alten Pfarrkirche "ennet feldes" oder auf dem Grünen Hof bei der Herdbrücke befunden haben. Unstrittig ist, dass die Pfalz der Staufer auf dem Weinhof stand. (köd)
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