Vöhringen Wer Akkordeon sagt, denkt an Lieder mit Herz-Schmerz, Musette-Walzer oder Stimmungsmusik. Für jedes dieser Genres ist das Instrument geeignet. Aber der neue Dirigent des Akkordeonorchesters Marc Poppe will mehr. Er setzt auf moderne Kompositionen oder alte im neuen Gewand. Dass er damit Erfolg hat, zeigte der Beifall beim jüngsten Konzert im Wolfgang-Eychmüller-Haus.
Wie immer steht die Jugend am Beginn. Jugendleiter und Dirigent Dieter Vogel widmet sich akribisch der Nachwuchsarbeit. Das Ergebnis kann sich hören lassen. „Bei Pino“, „Cha-Cha-Cha“, die Gospelsongs „Joshua fits the battle of Jericho“ und „Go down to Moses“ sind Beispiele, wie vielschichtig Vogel die Ausbildung anlegt. Musiziert wird sauber und mit jugendlichem Elan, der besonders „In the rock café“ am Ende auch auf die Zuhörer überspringt.
Die Sänger des Duos „Glanzlicht“ begleiten das große Orchester
Mit „Sway“ eröffnet Dirigent Marc Poppe das Programm des großen Orchesters. Mit Swing, Sentiment und wirkungsvollen Crescendi wird ein Spannungsbogen aufgebaut, der in einem dynamischen Finale mündet. Nach dieser furiosen Eröffnung betritt das Duo „Glanzlicht“ die Bühne. Yvonne Hämmerle und Friedrich Wiest singen in dieser Formation erst ein halbes Jahr zusammen. Den umfangreichsten Part hat die Sängerin zu meistern. Sie singt gecoverte Versionen bekannter Songs, die sie auf ihre Weise interpretiert. Ihre Stimme erweist sich kraftvoll, nuanciert sensibel. In hohen Tonlagen sollte sie vielleicht besser ihren Sopran ohne Druck (Bruststimme) sich frei entfalten lassen. Ihr Partner Friedrich Wiest ist im tenoralen Stimmfach angesiedelt, ihm gelingt zarter Schmelz, den er am besten in den Mittellagen zum Ausdruck bringt. Höhen meistert er mit klassischer Gesangstechnik.
Mit „Pirates of the Carribian“ gelingt Poppe und dem Orchester ein großer Wurf. Das Werk, das von packender Dynamik angelegt ist, ist ein Beispiel, wie moderne Akkordeonmusik klingt. Ein Ohrwurm aus Schostakowitschs Klavierkonzert Nr. 2 ist der „Walzer“, vom Orchester gefällig gespielt. Bei „Cuentame“ fliegen rhythmisch die „Fetzen“. Das Lied „I wanna wake up with you“ mit Friedrich Wiest und „Ich gehör’ nur mir“ mit Yvonne Hämmerle bereichern das Programm durch Klangvielfalt und Poesie.
Noch mehr Wirkung wäre zu erzielen, wenn Marc Poppe stellenweise das Orchester ein wenig zurücknehmen würde, ein bisschen weniger Forte und ein bisschen mehr Piano. Dann müssten die Solisten nicht gegen die geballte Kraft des Orchesters ansingen und kämen mehr zur Geltung. Aber wenn es durch unglückliche Umstände nur eine Verständigungsprobe geben konnte, kann dieser kleine Schönheitsfehler in Kauf genommen werden.
„Tico Tico“, „Music“, „Caravan“ und „The time of my life“ sind gern gehörte Evergreens. Die Besucher wissen dies gebührend zu würdigen. Sie erklatschen sich gleich zwei Zugaben. „Just a gigolo“ ist die eine, die andere sind die Variationen von „Auld Lang Syne“.
Publikum summt eifrig bei der Zugabe mit
Diesem englischen Traditional kann sich das Publikum nicht entziehen und summt wie ein großer Chor gleich mit. Ein schönes Kompliment für einen Abend, an dem das Akkordeonorchester wieder einmal mit musikalischem Einfühlungsvermögen gepaart mit technischem Können glänzte.