Freitag, 31. Oktober 2014

23. Dezember 2012 08:37 Uhr

Memmingen

Bulgarische Bande betrügt mit EC-Karten

Mitglieder einer bulgarischen Bande mussten sich wegen Betrugs mit EC-Karten vor dem Amtsgericht Memmingen verantworten. Von Wilhelm Schmid

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Mitglieder einer bulgarischen Bande mussten sich wegen Betrugs mit EC-Karten vor dem Amtsgericht Memmingen verantworten.

In Deutschland kann man schnell zu Geld und Waren kommen, und das auch noch auf verblüffend einfache Weise: Man geht, ohne ein Wort Deutsch zu sprechen, zu einer Bank oder Sparkasse, eröffnet dort mithilfe dolmetschender „Freunde“ ein Konto und bekommt sofort und ohne jeden Einkommensnachweis eine EC-Karte. Damit lässt sich in jedem Geschäft, das keine PIN, sondern nur die Unterschrift verlangt, „einkaufen“, und zwar pro Tag bis zu einem Wert von 1000 Euro, und das vier Tage lang, bis die Karte gesperrt wird. Dann holt man sich eine neue EC-Karte bei einer anderen Bank und macht so weiter.

Irgendwann aber „verbrennt sich die Methode“, wie es Richter Stefan Nielsen formulierte. Mehr als eine halbe Stunde hatte Staatsanwalt Matthias Rinecker vor dem Schöffengericht des Amtsgerichtes Memmingen benötigt, um alle Taten aufzulisten, die er drei bulgarischen Staatsangehörigen zur Last legte: Insgesamt kamen 123 Fälle des „gewerbsmäßigen Bandenbetruges“ mit einem Gesamtschaden von 22 500 Euro zusammen.

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Ein 46-jähriger Fliesenleger war 2010 gemeinsam mit seiner 44-jährigen Lebensgefährtin nach Deutschland gekommen, weil ihm „Freunde“ versprochen hatten, er könne hier schnell zu Arbeit und Geld kommen. Hier angekommen, lieh ihm einer der „Freunde“ für den ersten Bedarf 1000 Euro mit der Verpflichtung, dass er nach einem Monat 1500 Euro zurückzahlen müsse. Wie das funktionieren sollte, bekam er gleich erklärt. Er habe sich zwar schon gewundert, gab der Angeklagte in einem umfassenden Geständnis zu, aber die „Freunde“ hätten ihm versichert, dass das in Deutschland ganz normal sei.

Hintermänner haben Listen verteilt

So ließen sich die Angeklagten von den Hintermännern Listen geben, mit denen sie vornehmlich in zwei Märkten in Illertissen, aber auch in Fachgeschäften sowie in Tankstellen einer bestimmten Marke im ganzen Landkreis auf Tour gingen. Zigaretten, Whisky und Sportartikel wurden „eingekauft“ und von den Auftraggebern zu „gutem Preis“ an Hehler weitergegeben. Nebenbei besorgte man sich auch Lebensmittel für den Eigenbedarf und konnte schließlich den ursprünglichen „Kredit“ an die „Freunde“ zurückzahlen. Und doch flogen die Machenschaften auf.

Sowohl der 46-Jährige mit 66 Taten als auch seine Lebensgefährtin, der 48 „Einkäufe“ zur Last gelegt wurden, kamen im Mai dieses Jahres in Untersuchungshaft, und auch eine 28-jährige Landsfrau, die „nur“ einmal vier Tage lang mit einer Karte mitgemacht hatte, wurde inhaftiert.

Nach nunmehr sieben Monaten wurden sie aus drei verschiedenen Justizvollzugsanstalten zur Hauptverhandlung vorgeführt. Die drei Verteidiger Michael Bogdahn, Christian Vad und Heiko Weber sorgten gleich zu Verhandlungsbeginn für eine Absprache, der zufolge bei umfassenden Geständnissen für die beiden Frauen eine Bewährungsstrafe und für den Mann eine Strafe in Höhe von zwei bis zweieinhalb Jahren herauskommen sollte.

Die Geständnisse wurden sehr ausführlich und mit wertvollen Hinweisen auf die Hintermänner abgelegt. Rechtsanwalt Heiko Weber gelang es, das Gericht davon zu überzeugen, dass seine Mandantin mit ihrer einzigen Tat kein Teil einer Bande sei. Schließlich erging nach fünf Stunden Verhandlung das Urteil: Der Hauptangeklagte geht für zwei Jahre und drei Monate in Haft. Seine Lebensgefährtin kam mit eineinhalb Jahren davon, und die dritte Angeklagte erhielt ein Jahr, wobei die Freiheitsstrafen bei beiden Frauen zur Bewährung ausgesetzt wurden. Sie seien, so das Gericht, durch die jeweils siebenmonatige U-Haft schon genug beeindruckt.

Richter erwartet noch einige Verfahren

„Da kann man sich drauf freuen, was da noch alles auf uns zukommt“ und „es wird noch ein bisschen Zeit brauchen, bis das Eichhörnchen alles zusammengetragen hat“ kommentierte Richter Nielsen mit Seitenblick auf den Staatsanwalt und vorausschauend auf die noch ausstehenden Verfahren. Insgesamt, so wurde im Laufe des Verfahrens bekannt, stehen rund 30 bis 40 weitere Landsleute der Verurteilten unter Verdacht, im Auftrag derselben Hintermänner ähnliche Straftaten begangen zu haben. Nach diesen „anderweitig Verfolgten“ wird derzeit gefahndet; sie sollen zum Teil nach Bulgarien zurückgekehrt sein.

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