Illertissen Der Sonnenwende und dem damit verbundenen Wissen aus der Natur war die lange Nacht der Stauden gewidmet. Doch das Programm begann bereits am Vormittag mit der Eröffnung einer Sonnwend-Ausstellung der Malerinnen Barbara Urbon und Heidrun Kränzle und endete mit dem faszinierenden Sonnwendfeuer.

"Bei den Veranstaltungen um die Staudengärtnerei kann ich Kraft schöpfen fürs Berufsleben wie sonst selten", beteuert Günther Kürth aus Biberach. Aus der Betriebsamkeit der Gärtnerei entnehme er für sich Energie, und es sei nicht störend, dass dabei auch noch Geld verdient werde. Barbara Urbon, neben ihrer Malerei auch Heilpraktikerin, hatte einen sogenannten Umgang in der Staudengärtnerei veranstaltet und an den Grundstücksgrenzen in alle vier Himmelsrichtungen Johanniskrautsträuße aufgehängt. "Diese bleiben übers ganze Jahr hängen und halten die Energie auf dem Areal", weiß Günther Kürth.
Unter Anleitung des Gartenbauvereins
Nachmittags fand auf dem Stauden-Gelände das große Kräuterbinden statt. Unter Anleitung des Obst- und Gartenbauvereins Illertissen wanden und banden die Besucher Kränze und Johannisträuße. Und mancher trug hinterher seinen Kranz stolz im Haar. "Das Kränzebinden hat etwas Meditatives, dazu nehme ich mir immer Zeit", erklärt Brunhilde Pierzchala aus Ulm. Sie kommt gerne hierher, um die ganz besondere Stimmung einzufangen, "die wahrscheinlich daher rührt, dass so intensiv mit der Erde gearbeitet wird".
Mit Sonne, Kraft und Natur auf die Nacht eingestimmt
Mit Führungen durch den Kräutergarten, einer Gemäldeausstellung und Gedichtvorträgen passend zum Thema Sonne, Kraft, Natur konnten sich die Besucher auf die besondere Nacht einstimmen. Innerhalb und außerhalb des Café Sonnenschein waren die meisten Ruheplätze besetzt, nicht weit davon erklangen Lieder und Chansons mit Claudia Bertele am Mikrofon und Thomas Linder am Piano. Bis zum Einbruch der Dunkelheit waren Menschen mit ihren erstandenen Blumenkistchen unterwegs und Unterhaltungen im Gange.
Schließlich läutete Dieter Gaißmayer mit der Glocke die Nacht-Gesänge auf der Bühne vor dem zur Bücherei umfunktionierten Bienenhaus ein. Im romantischen Ambiente der ins Halbdunkel getauchten improvisierten Gärten trugen Dagmar Held, Christoph Lambertz und André Schubert ulkige Lieder vor, reimten unsinnige Verse über Weißwurst, Paprika oder Ungarn zu ihrem Spiel auf Gitarre und Harfe. Die Vertreter der Forschungs- und Beratungsstelle für Volksmusik in Schwaben hatten es nicht schwer, ihr Publikum zum Mitsingen zu bewegen. Schließlich war die Sonne untergegangen, der große Holzstoß wurde angezündet und im weiten Kreis ließen sich die Mittsommernachtsfreunde von den übergreifenden Flammen faszinieren, bis das Holz lichterloh brannte. Es gab schamanenhaftes Trommeln und leisen Gesang. Kräutersträuße wurden mit stillen Wünschen ins Feuer geworfen oder beschriftete kleine Zettel, damit die Gedanken mit dem Rauch in den Himmel aufsteigen konnten.
Mehr Bilder zur langen Nacht bei uns im Internet unter
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