Vöhringen Seit es Leben auf der Erde gibt, existiert der Tanz als Mittel der Kommunikation und Emotion. Jede Zeit hat andere Ausdrucksformen entwickelt. Heute ist der Tanz längst eine hohe Kunst, aber auch Kult. Seine Facetten sind äußerst vielschichtig. Wie vielschichtig, das zeigte die Ballett-Soiree im Wolfgang-Eychmüller-Haus, mit der die Musikschule Dreiklang den ersten Akzent in ihrem Jubiläumsjahr setzte. Die Schule wird heuer 25 Jahre alt.
Die Präsentation des gesamten Ensembles stand am Anfang. Getanzt wurde die „Polonaise“ aus dem Tschaikowsky-Ballett „Dornröschen.“ Das Programm, zusammengestellt von Ballettmeisterin Julia Stanescu-Siegmund, setzt nicht nur auf Perfektion, sondern sie bietet allen Elevinnen – ob groß oder klein – die Möglichkeit zu einem Auftritt. Entsprechend sind die Choreografien, die ihre Handschrift tragen, angelegt. Es geht geradezu das Herz auf, wenn die kleinen Ballettratten mit einer Ernsthaftigkeit und hoher Konzentration über die Bühne zu schweben scheinen. Entzückend das „Scherzo“ aus dem „Sommernachtstraum“ von Mendelsohn-Bartholdy. Das Besondere daran war die Teilnahme des einzigen Buben im Ensemble. Und der schwang sich gleich zu Höhenflügen auf und absolvierte respektable Sprünge.
Alles, was im Ballett Rang und Namen hat, war auf der Bühne vertreten: Ausschnitte aus dem Ballett „Coppelia“, „Giselle“, „Der Nussknacker“, die „Tritsch-Tratsch-Polka“, „Schwanensee“, die „Rumänische Ballade“, „Don Quixote“, „Raymonda“, der Zigeunertanz aus dem Film „Satra“, Chopins berühmtes „Nocturne Nr. 2“, „Esmeralda“, „Glow“, „My Guru“, „Carmen“, „Janeiro“, „Nara“, „The Drill“, ein irischer Tanz mit seinem typischen Rhythmus und zum Schluss das mit einem Augenzwinkern auf die Bühne gebrachte „Mambozart“, einer fröhlichen Melange aus Mozarts Symphonie Nr. 40 in g-Moll, rhythmisch à la Jaques Loussier aufgepeppt.
Julia Stanescu-Siegmund ist für die Musikschule ein Glücksfall. Sie ist Choreografin, Kostümbildnerin und Mutter aller aufgeregten Ballettelevinnen. Was ihre Schützlinge zeigen, lässt oft vergessen, dass man in einer Aufführung sitzt, die von Schülern gestaltet wird. Präzision heißt die Zauberformel, was harte Arbeit erfordert – von Lehrerin wie von den Tänzerinnen.
Nichts überlässt Stanescu dem Zufall. Wenn die Tänzerinnen nach dem Auftritt die Bühne verlassen, trippeln sie anmutig von den Brettern, die an diesem Abend die Welt für sie bedeuten, den Blick stets lächelnd dem Publikum zugewandt. Exakt abgezirkelt sind die Schlussformationen nach jedem Tanz. Mit Grazie und Eleganz werden die Arme nach oben genommen und anmutig zur Seite geführt, wobei die Augen den Bewegungen folgen.
Sprünge und Pirouetten sitzen punktgenau
Es ist eine Freude zu sehen, mit welchem Elan und Begeisterung das Ensemble über die Bühne wirbelt. Auch die Soli der einzelnen Tänzerinnen sind bemerkenswert, man entdeckt manches bekannte Gesicht von vorausgegangenen Aufführungen und bemerkt die positive Entwicklung, die die Solistinnen genommen haben. Sprünge und Pirouetten sitzen punktgenau. Julia Stanescu setzt auf das klassische Ballett, was selbst bei modernen Sequenzen nicht zu übersehen ist. Wenn auch Körperbeherrschung gefragt ist, so wird nie pure Akrobatik daraus. Was von der Bühne kommt, ist Lebensfreude pur und teilt sich auch dem Publikum im voll besetzten Saal des Kulturzentrums mit. Zum Schluss gibt’s nicht nur Blumen für die Ballettlehrerin vom Leiter der Schule Ralf Hoffmann, sondern lang anhaltender Beifall für diesen ganz besonderen Abend.