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Legende: Eine bombige Freundschaft

Legende

Eine bombige Freundschaft

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    Sein erstes Tor in einem Länderspiel erzielte Uwe Seeler 1958 mit einem Kriener-Ball. Die Partie gegen Argentinien endete 3:1 für die Bundesrepublik.
    Sein erstes Tor in einem Länderspiel erzielte Uwe Seeler 1958 mit einem Kriener-Ball. Die Partie gegen Argentinien endete 3:1 für die Bundesrepublik.

    Illertissen Begegnungen finden zwischen Menschen statt und nicht zwischen Interessenten. Es ist ihre Lebensweisheit, mit der die 88-jährigen Anni Kriener auf die Frage antwortet, warum sie 14 Jahre nach der Geschäftsaufgabe ihre Jakob-Kriener-Sportartikel-Fabrik in der Illertisser Ulrichstrasse bei Geschäftspartnern, bei Sportlern und da vor allem bei den Fußball-Stars nicht in Vergessenheit geraten ist. So wie auch beim Hamburger Fußball-Idol Uwe Seeler nicht, der als Ehrenspieler der deutschen Nationalmannschaft schon zu Lebzeiten Legende ist. Am 5. November 2011 wurde „Uns Uwe“ 75 und freute sich über Anni Krieners Glückwünsche – und die beliebte Illertisser Unternehmerin freute sich in diesen Tagen, als sie wieder einmal Post von Seeler bekam. Jetzt will sie ihn zu einem Besuch im Stadion des FV Illertissen bewegen.

    Solche Augenblicke wecken natürlich Erinnerungen. Auch bei Anni Kriener – Erinnerungen an ihren Vater Jakob, der als gebürtiger Ziemetshausener (Landkreis Günzburg) 1925 in der ehemaligen Gerberei  seines Schwiegervaters Franz Ranz (er war von 1876 bis 1897 Bürgermeister Illertissens und 1890/91 Initiator des Rathausneubaus) mit unternehmerischem Weitblick begann, Bälle zu produzieren. Nun hatten schon damals Gewerbe und Handel in der Vöhlinstadt dank seiner schwäbisch-tüchtigen Bürger einen langen Stammbaum. Aber kaum eine andere ortsansässige Firma wie die der Krieners strebte zwischen 1925 und 1998 von Illertissen aus in die Welt hinaus. Und doch fühlten sich Vater Jakob und Tochter Anni ein Leben lang in ihrer Ehrlichkeit und Bescheidenheit nicht bedeutender als die anderen.

    Die Illerbombe trug den Namen Illertissens in die Welt

    Es war vor allem die Illerbombe, die dem Hause Kriener und der Vöhlinstadt weltweit sportlichen Ruhm verschaffte. In dieser 396 bis 453 Gramm schweren, 68 bis 71 Zentimeter umfassenden und ausdrucksvoll, ja fast schon furchterregend „Illerbombe“ titulierten Lederhülle, flog der Namen Illertissens hinaus bis in die Stadien der großen Fußballbühne. Vor allem in Deutschland und in den Nachbarländern begeisterten Kriener-Bälle unter der Marke Marke „Illerball“, „Iller-Europafinale“ und „Iller-Saturn“ die Kleinen und die ganz Großen dieses Spiels. Eben alle, die mit dieser runden, koboldhaft hüpfendem Lederkugel spielten. Mit ihren von über hundert Sattlern in hoher Stückzahl aus 18 Lederteilen zuverlässig von Hand genähten Bällen sorgte die Jakob-Kriener-Sportartikelfabrik für einen internationalen Ruf der Vöhlinstadt, was heute für viele unvorstellbar ist.

    In den damals vier deutschen Oberligen Süd, West, Südwest und Nord, in der Stadtliga Berlin, in den Endspielen um die deutsche Meisterschaft und in den Pokalendfinals, in Länderspielen nicht nur des deutschen Teams jagten selbst Weltklassespieler die Illerbombe mit sattem, strammen Schuß ins Netz. Auch bei der Weltmeisterschaft 1954 und vier Jahre später in Schweden war die Illerbombe dabei. Und in der Vöhlinstadt gaben sich Stars wie Trainer-Legende Sepp Herberger, Toptorjäger Robert Schlienz vom VfB Stuttgart, Fritz Walter vom 1. FC Kaiserlautern – das Idol der damaligen Zeit schlechthin – und auch der Hamburger Uwe Seeler die Ehre.

    Ein vertrauter Wegbegleiter zum Ehrenspielführer

    Er war gerade mal 17 Jahre jung, als er am 15. August 1953 gegen Göttingen 05 seine erste Berührung mit der Illerbombe in einem Punktspiel der Oberliga Nord hatte. In dann insgesamt 916 Spielen für die Hamburger Rothosen in Oberliga und in Bundesliga schoss er seine 772 goldenen Tore, weit über die Hälfte davon mit der Illerbombe. Auch in den 72 Länderspielen erzielte der viermalige Weltmeisterschaftsteilnehmer und dreimalige Fußballer des Jahres von seinen 43 Treffern mehr als die Hälfte mit dem Ball aus Illertissen. Die Illerbombe war ihm längst ein vertrauter Wegbegleiter zum Ehrenspielführer und Träger des Bundesverdienstkreuzes.

    Mehr als nur ein willkommener Gast war der erste Torschützenkönig der Bundesliga von der Waterkant bald auch im Hause Kriener. Es waren eben nicht nur Begegnungen von Interessenten,es war längst eine „bombige“ Freundschaft, die bis heute nicht wankt.

    Und deshalb darf sich Anni Kriener auch sicher sein, dass Uwe Seeler sein Versprechen wahr machen will, sie noch einmal in Illertissen zu besuchen. Sie will dieser Tage dem Fußbal-Idol, der dank der Illerbombe der Schrecken aller Torhüter wurde, schreiben. Sie wird ihm davon berichten, dass sich der FV Illertissen gerade auf dem sportlichen Weg in die Viertklassigkeit, die Regionalliga Bayern, bemüht. „Ich werde ihm rechtzeitig ein paar Heimspieltermine unserer Fußballer nennen. Vielleicht kann ich mich mit ihm als Ehrengast dann im Vöhlinstadion über einen Illertisser Sieg freuen.“, hofft die bekennende FVI-Anhängerin Anni Kriener.

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