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Reaktion: „Eine schallende Ohrfeige“

Reaktion

„Eine schallende Ohrfeige“

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    Für solche Gäste-Fans – hier Anhänger des SSV Ulm bei einer Oberliga-Partie in Illertissen – muss das Stadion nachgerüstet werden.
    Für solche Gäste-Fans – hier Anhänger des SSV Ulm bei einer Oberliga-Partie in Illertissen – muss das Stadion nachgerüstet werden. Foto: Archiv/Hörger

    Illertissen Hermann Schiller war gestern richtig angefressen, nachdem er die Zeitung gelesen hatte: Der Spielleiter der ersten Mannschaft des FV Illertissen wollte seinen Augen nicht trauen, denn auf Drängen der CSU muss sein Verein 15000 Euro für die Sicherheitsnachrüstung des Vöhlinstadions aufbringe. Er empfindet das als eine „schallende Ohrfeige“ für alle ehrenamtlich Tätigen. Was ihn auf die Palme bringt, ist die Tatsache, dass der FVI einen finanziellen Beitrag leisten muss zu dringend notwendigen Maßnahmen in einem Stadion, das der Stadt gehört und für das der Verein Miete zahlt.

    Er und auch andere im FVI vermissen bei den Kommunalpolitikern die Wertschätzung für die in den vergangenen Jahren erbrachte Leistung. Hermann Schiller: „Dem Verein ist etwas Historisches gelungen. Er ist in den vergangenen Jahren dreimal aufgestiegen und spielt nun in der vierthöchsten Liga Deutschlands.“ Und da gebe es nun Stadträte, die „uns das verbaut hätten, wenn wir nicht bereit gewesen wären, die 15000 Euro aufzubringen. Denn dann hätten wir nicht spielen können.“

    Wie berichtet, muss der FVI nach dem Aufstieg in die Regionalliga das Stadion sicherheitstechnisch nachrüsten. Dazu gehören eine durchgehende Bande und ein „Käfig“ für die Fans der Gastmannschaften. Das kostet nach Berechnungen der Liegenschaftsverwaltung 46000 Euro. Die Stadt hatte zunächst vorgeschlagen, nachdem es im Vorfeld der jüngsten Hauptausschusssitzung entsprechende Forderungen aus der CSU gab, der Verein könne jedes Jahr 30 Prozent seiner Werbeeinnahmen abtreten zur finanziellen Unterstützung der Baumaßnahme. Das war den Christsozialen zu „schwammig“, wie es der Parteivorsitzende Uwe Bolkart formulierte. Der Verein müsse 15000 Euro bezahlen, gestreckt auf fünf Jahresraten. Dem stimmte der Ausschuss mehrheitlich zu.

    Zähneknirschend wird das von den Illertisser Kickern akzeptiert, denn die Baumaßnahmen müssen bis zum 1. Juli umgesetzt sein, andernfalls lässt der Bayerische Fußballverband den FVI nicht spielen.

    Schiller empfindet das Verhalten der kommunalpolitischen Mehrheit als Affront: „Es gibt in ganz Deutschland keine Stadt, die einen Verein beim Umbau des Stadions so im Regen stehen lassen würde oder einen Verein dazu zwingt, in ein städtisches Stadion zu investieren.“ Der Verein werde geradezu bestraft dafür, dass er aufgestiegen ist.

    Schiller: Man muss sich für den Aufstieg fast entschuldigen

    Dabei profitiere Illertissen doch davon, wenn seine Fußballer in der vierthöchsten Liga spielen, denn es sei sogar geplant, Spielausschnitte im dritten Programm des Bayerischen Fernsehens zu zeigen – eine kostenlose Imagewerbung: „So viele Chancen bekommt die Stadt nicht mehr so schnell, ihr Renommee durch Erfolge der Fußballer aufzubessern. Aber anscheinend ist es speziell der CSU nicht wichtig, dass das Stadion mit Leben gefüllt und dort hochklassiger Sport geboten wird.“ Die Abstimmung zeige sogar eine regelrechte „Sportfeindlichkeit“. Schiller weiter: „Wir sind maßlos enttäuscht von der CSU.“

    Von seiner Kritik an den Politikern nimmt Schiller ausdrücklich den FVI-Ehrenvorsitzenden Josef Kränzle und Wolfgang Ostermann von der SPD aus. Der hatte die Debatte um die finanzielle Beteiligung als „unnötig“ bezeichnet, denn es gehe bei der Nachrüstung um „Dinge, die geleistet werden müssen“. Zudem sieht er eine große Chance im Aufstieg der Fußballer, um etwas für das Image der Stadt Illertissen zu tun.

    Der Verein verweist darauf, dass er selber noch das eine oder andere in das Stadion investieren müsse. Beispielsweise gehört es heutzutage zum Standard, VIP-Plätze für Sponsoren anzubieten. Ebenfalls fehle es noch an den fünf vorgeschriebenen elektrifizierten Presseplätzen und einer Zone für Interviews und Pressekonferenzen.

    Grundsätzlich findet Schiller: „Man muss sich fast dafür entschuldigen, dass man aufgestiegen ist und die Stadt in solche Unkosten stürzt.“

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