Dienstag, 16. Januar 2018

23. September 2014 18:04 Uhr

Babenhausen

Eisenbahnromantik endete vor 20 Jahren

 Im September 1994 fuhr letztmalig ein Personen-Dampfzug zwischen Babenhausen und Kellmünz

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Vor 20 Jahren endete in der Region die Epoche der Eisenbahnromantik, die exakt 100 Jahre zuvor mit dem Bau der Fuggerbahn begonnen hatte, die Kellmünz und Babenhausen verband. Am 24. und 25. September 1994 zog im Rahmen einer Sonderfahrt letztmals eine imposante Dampflok Waggons mit Zugreisenden von einer in die andere Marktgemeinde. IZ-Leser Peter Kaufmann, der nach eigenen Worten ein Faible für alles hat, was mit Eisenbahn zu tun hat, drückte damals nicht nur einmal auf den Auslöser seiner Kamera.

Wo heute Radler ungestört von Autos durch drei Täler (Iller, Roth und Günz) und zwei Landkreise (Neu-Ulm und Unterallgäu) strampeln können, rollten über 100 Jahre lang Züge.

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Im November 1894 wurde nach vergleichsweise kurzer Bauzeit der gute zehn Kilometer lange Schienenstrang in Betrieb genommen. Dadurch erhielten die Bürger Babenhausens, Winterriedens und Weilers via Bahnhof Kellmünz bequemen Anschluss an die Illertalbahn. Wobei bequem relativ gesehen werden muss: Lange Zeit gab es nur Waggons der dritten Klasse mit kleinen, „Glaskästen“ genannten Loks an der Spitze. Trotzdem verkehrten zur Blütezeit der Linie bis zu sechs Personenzüge pro Tag.

Damit war es aber Anfang der 1960-er Jahre weitgehend vorbei, die Personenbeförderung wurde weitgehend von Bahnbussen übernommen, nur noch am Morgen brachte ein Zug Reisende von Kellmünz nach Babenhausen. Am Abend erfolgte die Rückfahrt. Am 3. August 1964 endete die Ära der regelmäßig verkehrenden Personenzüge dann endgültig, fortan gab es nur noch sporadisch Sonderfahrten – wie zur 100. Wiederkehr der Inbetriebnahme auch.

Obwohl zum 100.Geburtstag längst klar war, dass die Bahnstrecke Babenhausen-Kellmünz ihre besten Zeiten längst hinter sich hat, wurde am 24. und 25. September 1994 noch einmal feste gefeiert. Tausende Gäste, darunter viele in historischer Kleidung gewandet, ließen die Bahn ein letztes Mal hoch leben. Mit einem aus fünf Waggons und einer aus dem Jahr 1938 stammenden und 2000 PS starken Dampflok bestehenden Sonderzug wurde zwischen Babenhausen und Kellmünz hin und her gependelt, mit Zwischenhalt in Winterrieden. Für eine Rückfahrkarte wurden damals zehn D-Mark fällig, etwas mehr als fünf Euro.

Gefeiert wurde entlang der gesamten Strecke – in Kellmünz und Babenhausen konnten sich die Gäste im Festzelt verlustieren, in Winterrieden ließen es die Böllerschützen krachen. Gerade noch rechtzeitig: Das letzte Stündchen für Güterzüge, die noch hin und wieder auf der Strecke unterwegs waren, schlug im Sommer 1995. 1996 wurde die offizielle „Streckenstilllegung“ verkündet. In den Folgejahren wurden die Schienen Schritt für Schritt abgebaut.

Die Bahntrasse selbst wurde in einem Landkreis- und Gemeindeübergreifenden Projekt zu einem Radweg umgebaut, der bei Pedalrittern sehr beliebt ist.

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Ein Artikel von
Bernd Kramlinger

Illertisser Zeitung
Ressort: Lokalnachrichten

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