Jetzt können die Nackten wirklich Trauer tragen. Das Illertisser Freizeitbad Nautilla stellt von April an seine Freikörperkultur (FKK)-Abende ein – aus betriebswirtschaftlichen Gründen, wie Nautilla-Geschäftsführer Harry Behne in einer Mitteilung erklärt. Die Donnerstagabende stehen dann dem regulären Badebetrieb zur Verfügung mit Öffnungszeiten im Winter bis 23 Uhr und im Sommer bis 22Uhr.
In jüngster Zeit hat das Interesse am Nacktbaden im Nautilla laut Geschäftsführer immer mehr abgenommen. Vom regulären Badebetrieb verspricht er sich eine bessere Auslastung; zumal in der gewonnenen Zeit verstärkt Aquafitnesskurse angeboten werden, für die die Nachfrage seit Jahren tendenziell zunimmt.
Bundesweit für Aufsehen gesorgt
Hinter den FKK-Abenden im Nautilla steht eine besondere Geschichte. Im Sommer 1994 hatte das inzwischen über 20 Jahre alte Freizeitbad unter der Schlagzeile „Wenn die Nackten Trauer tragen“ bundesweit Aufsehen erregt. Der damalige Geschäftsführer des Bades hatte sich von der Einführung der FKK-Abende zusätzliche Einnahmen versprochen. Sein Kalkül ging auch auf. Allerdings hatte er wohl nicht mit der Reaktion der Bürger gerechnet. Einige regten sich maßlos auf über die Nackerten im Nautilla und wollten sogar eine Demo vor dem Rathaus anzetteln. Die Stadträte untersagten die FKK-Abende, was natürlich ein gefundenes Fressen für die bundesdeutsche Regenbogenpresse war.
Einige Zeit später nahm das Nautilla seine FKK-Abende wieder ins Programm und niemand nahm groß Notiz davon. Was im Saunabereich sowieso normal ist, rechnete sich für das gesamte Bad offenbar jahrelang. Jetzt nicht mehr. (rp)