Osterberg-Weiler Das Frauenfrühstück in Osterbergs Ortsteil Weiler ist zur festen Größe geworden im Veranstaltungskalender des Dorfes. Und ein Geheimtipp, da die Teilnehmerzahl begrenzt ist. „Knapp 50 Leute passen in die Loretto-Kapelle, wo wir uns zum „Morgenlob“ trafen, und genauso viele ins gegenüberliegende Schützenheim zum Frühstück“, sagt Hilde Schedel. Die stellvertretende Pfarrgemeinderatsvorsitzende findet die Anzahl genau richtig, „um miteinander ins Gespräch kommen zu können.“
Dieses scheinen auch einige Gäste aus umliegenden Orten zu schätzen. Ein weiterer Anziehungspunkt ist der Vortrag. Dafür konnten sie Iris Schwarz aus Bobingen gewinnen, ihres Zeichens Kauffrau und zertifizierte Managementtrainerin. Das Thema „Mein Reisegepäck“, wofür sie Utensilien aus dem Koffer ihrer Großmutter nahm, begann unspektakulär mit dem Rollenverständnis bei Frauen. Doch in ihrer frischen Vortragsweise ging sie das Rollenthema von vielen Seiten an, erzählte auch eigene Geschichten. Ihre Großmutter hatte nur diesen Koffer, als sie aus der damaligen DDR zur übrigen Familie in den Westen geflüchtet war. Sie wurde zum ruhenden Pol in ihrer Kindheit, da beide Eltern arbeiten mussten. Spätestens da, mit dem Aufzählen der Frau in den Rollen der Mitverdienerin bis hin zur sorgenden, stets zuhörenden Großmutter, hatte sie ihre Zuhörerinnen erreicht. Iris Schwarz erzählte, wie ihre Mutter als Spätgebärende mit 34 Jahren im Hochsommer einen dicken Mantel trug, um die Schwangerschaft zu verbergen. „Ich habe eine viel ältere Schwester, und da war meiner Mutter die späte Schwangerschaft hochnotpeinlich.“ Die Referentin lud die Zuhörerinnen ein, ihre eigenen Rollen zu überdenken und den Wandel der Wertvorstellungen, der sich seit ihrer Kindheit vollzogen habe.
Wünsche und Zielsetzungen formulieren
„Wann haben Sie geheiratet, ihre Kinder bekommen“, fragte sie in die Runde. Im Alter von 20 bis 25 Jahren, war zumeist die Antwort. Einen ganzen Fragenkatalog warf sie zum Überdenken der eigenen Rolle auf und vergaß nicht, die Frauen an ihre Fähigkeiten, Talente, Zielsetzungen zu erinnern: „Stellen Sie ihr Licht nicht unter den Scheffel, lassen Sie Wünsche zu.“ Wünsche? Eine Reise vielleicht, war eine Antwort.