Dietenheim Durch die Verbindung seiner Enkelin Hildegard Dittberner mit der Stadt konnte nun eine Ausstellung des Malers Nikolaus Schmid in seiner Heimatstadt Dietenheim organisiert werden. Schmid gehört in die lange Reihe Dietenheimer Künstler wie Denzel, Forchner, Herberger, Höß, Leimer, Schaller, Schlecker, Speth, Vogt und Zeller, die, zum Teil mit Familienangehörigen, als Maler, Bildhauer und Orgelbauer heimische Kirchen und Profanbauten ausschmückten. Bei der Eröffnung der Ausstellung konnte Bürgermeister Sigisbert Straub in der Mitte vieler Kunstfreunde auch den ehemaligen Dietenheimer Pfarrer Franz Schmid begrüßen, der sich seit vierzig Jahren eifrig um die Erhaltung der Schmidschen Werke bemüht.
Die Münchner Kunsthistorikerin Sybille Gerke-Koch gab einen tiefen Einblick in Leben und Schaffen des Künstlers, der 1878 als zehntes von zwölf Kindern in Dietenheim geboren wurde, wo der Vater die Gaststätte Sonne betrieb. Dessen Freund, Nikolaus Hegerle, gehörten Brauerei und Gastwirtschaft Zum Hirschen. Nikolaus Hegerle wurde Taufpate und Namensgeber, und als das Kind mit vier Jahren Vollwaise war, auch dessen Pflegevater. Die vermögenden und kinderlosen Hegerles ermöglichten die Förderung des künstlerisch begabten Kindes und mit 17 Jahren den Eintritt in die Königliche Kunstgewerbeschule in München.
Von der Geburt seiner Tochter hat er nicht mehr erfahren
1901 wechselte Schmid an die Akademie der Bildenden Künste zu Professor Peter Halm, der den Ruf eines hervorragenden Radierers hatte. In dieser Zeit entstanden Radierungen Dietenheimer Motive, und auch des Illertisser Schlosses. Hegerle finanzierte Studienreisen nach Tirol, Südtirol, Florenz, Rom, Venedig und Elba mit. Ab 1907 fand Schmid sein Sommerquartier auf der Ratzinger Höhe über dem Chiemsee. Eine Erbschaft aus Dietenheim ermöglichte ihm, hier in der „großartigen Landschaft“ 1913 ein Künstlerhaus mit Wohn- und Atelierraum zu errichten, mit Blick auf See und Berge. 1914 heiratete er die Sängerin und Pianistin Hildegard Hertrich. Bald musste er in den Krieg ziehen. Am 1. März 1915 kam seine Tochter zur Welt, aber die Nachricht erreichte ihn nicht mehr, schon sechs Tage später fiel Schmid in Nordfrankreich. So erlitt er das gleiche Schicksal wie seine berühmten Malerkollegen Franz Marc und August Macke.
Von den 120 Werken des Künstlers sind in Dietenheim 59 zu sehen. Im Sinne der alten Meister malend, lässt er seine leidenschaftliche Liebe zur Natur erkennen, die er in minutiöser Perfektion abbildet. Das wird schon in den fast fotografisch genauen floristischen Motiven deutlich. In der Heimatstadt und von seinem Chiemseer Domizil aus hat er Landschaften porträtiert, die allein von der Natur bestimmt sind und auch eine Art Dokumentation ihrer längst vergangenen Unberührtheit darstellen. Sie sind nicht symbolisch überfrachtet wie bei manchen Zeitgenossen, ohne farbliche Übersteigerung und ohne die dekorative Ausschmückung des Jugendstils. Die Figurenbilder verweisen auf eine leichte Hinwendung zu impressionistischen und expressionistischen Ausdrucksformen. Im kurzen Leben sind sie vielleicht Vorboten eines angestrebten Personalstils.
Einer der Höhepunkte der sehr gewissenhaft aufgebauten Schau – sie enthält auch Matrikeleintragungen aus Kirchenbüchern und Postkarten, die nach Schmids Bildern gedruckt wurden – ist das Motiv „Holzplatz am Hirtenhaus“, das Schmid gleich mehrfach dargestellt hat, so als Radierung, mit Öl auf Karton und mit Temperafarben. Das letztgenannte Bild wurde der Stadt von der Enkelin des Künstlers geschenkt.
Ein Streichquartett der Musikschule Iller-Weihung umrahmte die Feier musikalisch.
Information Die Ausstellung ist bis 31. März während der Öffnungszeiten der Stadtverwaltung, und an den Sonntagen von 14 bis 17 Uhr zu sehen.