Vöhringen Wenn sie an der Tafel steht, die Kreide in der Hand, die Schüler befragt, glaubt man kaum, dass Susanne Ortner vor vier Jahren der Realschule Vöhringen den Rücken gedreht hat. Sie wollte sich einen Lebenstraum erfüllen, für die Musik leben, die sie so meisterlich auf ihrer Klarinette zu interpretieren weiß. Zurückgekehrt ist sie jetzt an die Stätte ihres früheren Wirkens - wenn auch nur für eine Visite - und tritt mit ihrem Mann Tom Roberts als "The Ortner-Roberts-Duo" auf, das sich kongenial ergänzt und "Hot World Chamber Music" macht.

Höchste Töne und satte Tiefen aus der Klarinette
Man muss Susanne Ortner-Roberts nur anschauen, wenn ihre Finger flink über ihr Instrument gleiten, sie höchste Töne und satte Tiefen aus ihrer Klarinette zaubert, wie sie mit geschlossenen Augen Melodie und Rhythmus spüren lässt, dann hält der Zuhörer den Atem an. Als Susanne Ortner noch an der Staatlichen Realschule als Musik- und Deutschlehrerin tätig war, widmete sie sich intensiv dem Klezmer, eine Musik, die aus dem jüdischen Kulturkreis stammt. Heute ist sie in nahezu allen Musikrichtungen zu Hause. Kreolische Einflüsse machen sich bemerkbar, Jazz bringt das Instrument zum Vibrieren, Swing und Tango reißen mit. Ihr Spiel ist ausdrucksstark, technisch perfekt und sie selbst ist die nette, liebenswerte Lehrerin geblieben.
In Ballerinas und Blümchenkleid steht sie vor den Klassen und lässt ihre Kunst erklingen. Ihr leicht rollendes "R" verleugnet ihre Heimatsprache nicht, wenngleich sie auch fließend Amerikanisch parliert. Das tut sie bevorzugt mit ihrem Mann Tom, den sie in den USA kennenlernte. Tom Roberts ist Pianist. Vor vier Jahren ging sie auf Einladung der University of Pittsburgh in Pennsylvania in die Neue Welt, führte dort Projekte durch, an denen Holocaust-Überlebende teilnahmen. Sie hatte die Chance darüber zu sprechen "who are these Germans - wer sind diese Deutschen?" Neben Worterklärungen übernahm sie auch die musikalische Gestaltung, was oft mehr vermittelte als Worte vermögen.
Im Augenblick arbeitet Susanne Ortner-Roberts, die im Musiksaal der Schule ihre Klarinette zum Klingen brachte, an ihrer internationalen Karriere. Dass es nicht leicht ist, lässt sie durchblicken. Schließlich gab sie ein gesichertes Beamtenverhältnis auf, bei dem sie jeden Monat mit ihrem Gehalt rechnen konnte. Das ist jetzt anders. "Manchmal wissen wir nicht, wie wir die nächsten Monate die Miete zahlen wollen", sagt sie, die mit ihrem Mann in Pittsburgh lebt. Aber es geht immer weiter, mit Engagements, Workshops und Lehrtätigkeit an der Universität.
Ihr Mann Tom ist Autodidakt, der sich das Klavierspiel selbst beigebracht hat, durch ein elektrisches Klavier, das eine Melodie spielt und wobei sich die Tasten bewegen, ohne dass jemand vor dem Instrument sitzt.
Der Beifall ihrer jugendlichen Zuhörer war ihr beim Auftritt in der Realschule gewiss und die Bewunderung auch - für ihre künstlerische Leistung wie für ihren Mut zu dem Leben, wie sie es sich selbst gewählt hat und glücklich damit ist.
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