Kirchhaslach-Greimeltshofen IHK-Gründungsberaterin Barbara Klause greift immer wieder in die Kiste mit Dinkelspelzen und lässt die Getreidehülsen durch die Finger rieseln. Eigentlich ein Abfallprodukt, doch bei der Firma Mudis im Kirchhaslacher Ortsteil Greimeltshofen werden damit Kissen gefüllt. Im Lager gibt es viele Materialien, die zum Anfassen verführen: raschelnde Hirseschalen, flauschiges Kapok (eine pflanzliche Daune) oder feinkörniger Amarant.
Klause hat das Unternehmen im Unterallgäu ausgewählt, um dort der Presse die Gründerbilanz der IHK Schwaben vorzustellen (siehe Infokasten). Denn wie Alexandra Musch, Inhaberin der Firma Mudis, wagen laut Klause immer mehr Frauen den Schritt in die Selbstständigkeit: „Das Thema Kinderbetreuung zwingt viele Frauen dazu.“ Aber auch das Aufbrechen der klassischen Rollen trage dazu bei.
Musch hat die Firma Mudis im Oktober 2009 übernommen. Die gelernte Hotelfachfrau betrat mit dem Kauf der Firma Neuland. Ein Großauftrag brachte sie gleich zu Beginn ins Schleudern. Die bestellte Ware wurde zum Großteil nicht abgenommen.
Hilfe bekam Musch bei der IHK. Beraterin Klause vermittelte sie schließlich an einen externen Trainer weiter. Die Kosten dafür trägt zum Teil die KfW-Förderbank. „Frau Musch hat ein gutes Bauchgefühl, welche Produkte gefragt sind“, sagt ihr Coach Harald Rauh aus Babenhausen. Doch wenn es darum gehe, wirtschaftlich zu arbeiten, würde einigen Gründern die Kompetenz fehlen. Auch Musch gibt zu: „Mit Zahlen hab’ ich es nicht so.“
Neue Produkte entwickeln, zum Beispiel ein Yoga-Set
„Wenn ich gewusst hätte, was ich noch alles lernen muss, hätte ich den Schritt wahrscheinlich nie gewagt“, sagt sie im Nachhinein. Kalkulieren, einen Warenkatalog erstellen, neue Produkte entwickeln – Musch muss viele Aufgaben bewältigen. Zum Beispiel hat sie mit Rauhs Hilfe die Produktionsabläufe optimiert. Das war nötig, weil die Baumwollpreise stark gestiegen sind. Zehn Prozent weniger Material braucht sie jetzt, also 1,47 Tonnen weniger pro Jahr. Wichtig ist ihr, immer neue Produkte auf den Markt zu bringen: Musch hat ein Yoga-Set gefüllt mit Dinkelspelzen entwickelt und spezielle Kissen für Hunde. Momentan optimiert sie ihre Internetseite.
Ihre Ware verkauft sie an Händler in der ganzen Welt. Mittlerweile hat sie acht Mitarbeiterinnen und verarbeitet im Jahr etwa 80 Tonnen Material. Ihr Lager füllt sich 14-mal im Jahr. Trotzdem wird in dem Unternehmen noch viel mit Hand gefertigt. Es gibt lediglich Näh- und Zuschneidemaschinen.
Musch legt Wert auf die Verarbeitung naturbelassener Materialien. Zu dieser Firmenphilosophie passe der ländliche Standort Greimeltshofen perfekt. Doch für Privatkunden wird sie ab Dezember einen Outlet-Shop in Babenhausen in der Schrannenstraße eröffnen, der leichter erreichbar ist.