Illertissen Der jüngste Fall aus dem Verbreitungsgebiet zeigt wieder einmal: Motorradfahrer leben gefährlich – und das oft, weil sie im Straßenverkehr nur unzureichend Schutzkleidung tragen. Erst am vergangenen Sonntag stürzte ein 24-jähriger Motorradfahrer auf der Kreisstraße NU9, nachdem er ein entgegenkommendes Auto gestreift hatte. Dabei zog er sich einen schwierigen Oberarmbruch zu und musste mit dem Rettungshubschrauber in eine Ulmer Klinik gebracht werden. Nach Angaben der Polizei in Illertissen trug er dabei nur ein T-Shirt und eine Lederweste.
Unfälle wie dieser lassen Klaus Blum von der Polizei Illertissen und Hanspeter Albrecht von der Kreisverkehrswacht Neu-Ulm aufhorchen. Beide sind selbst leidenschaftliche Motorradfahrer und wollen nun aufklären. Ein wichtiges Anliegen ist ihnen dabei die neonfarbene Warnweste. „Die Unfallursache Nummer eins bei Motorradfahrern ist die Geschwindigkeit, aber kurz danach kommt das Übersehen“, erklärt Polizeihauptkommissar Klaus Blum. Ende April starb so ein Motorradfahrer im Nachbarlandkreis Biberach. Eine 74-jährige Seniorin hatte ihn schlichtweg übersehen, als sie auf eine Kreuzung in Burgrieden fuhr. „Zwar ist jeder Zweiradfahrer verpflichtet, seinen Scheinwerfer anzumachen, trotzdem gibt es immer wieder Situationen, in denen das nicht ausreicht“, sagt der 47-Jährige.
Coolness hin oder her – die Warnweste sticht ins Auge
Hinzu kommt, dass die meisten Motorradfahrer Kleidung in dunklen Farbtönen tragen. „Das verschmutzt nicht so leicht und viele denken, das sieht cooler aus“, erschließt sich Blum das Phänomen. Coolness hin oder her, Fakt ist jedoch: „Eine Warnweste sticht mehr ins Auge.“ Inzwischen haben Klaus Blum und Hanspeter Albrecht schon mehrere Motorradfahrer beobachtet, die im Straßenverkehr Neonfarben tragen. Auch sie selbst steigen nicht mehr ohne Warnweste auf ihre Zweiräder.
Die beiden empfehlen, die Warnwesten im Motorradzubehörladen oder über den Onlineversand zu kaufen. Dort kosten sie etwa zwischen 15 und 30 Euro. Zwar gibt es auch günstigere Ausführungen. Diese ließen sich aber oft nicht vorne schließen. „Das flattert dann im Wind und stört“, sagt Albrecht.
Auch der Schmutz sei kein Problem, wie Klaus Blum an seiner frisch gewaschenen Weste demonstriert. Zwar macht sich auf dem neonfarbenen Stoff jeder noch so kleine Fliegendreck sichtbar, aber im Gegensatz zur sperrigen Schutzkleidung lasse sich die dünne Weste kurzerhand in die Waschmaschine stecken.
Doch nicht nur die Warnweste schützt Motorradfahrer in Gefahrensituationen, auch Motorradkleidung mit Protektoren an Schultern, Ellbogen und Knien kann im Notfall einiges abfangen. Für einen ausreichenden Schutz kommen festes Schuhwerk und Handschuhe hinzu. „Im Sturz wird man immer versuchen, sich mit den Händen abzufangen. Das ist einfach ein Reflex“, erklärt Albrecht. Hinzu kommt, dass der Helm auch wirklich verschlossen ist. Albrecht hat in letzter Zeit vor allem Rollerfahrer gesehen, die ihn lässig offen tragen. „Das ist tödlich“, ist sein Urteil.
Um nach einem langen Winter wieder ein Gefühl für die Maschine zu bekommen, bietet die Kreisverkehrswacht Neu-Ulm außerdem Sicherheitstrainings für Motorradfahrer an. Dort wird dann das Gleichgewicht beim Slalomfahren trainiert, sowie verschiedene Brems- und Ausweichübungen gemacht.
Anmeldung zum Verkehrssicherheitstraining für Motorradfahrer unter
www.verkehrswacht-neu-ulm.de