Von Regina Langhans
Zu Lebzeiten schon galt Baron Dieter von Malsen-Ponickau in Paris, wo er die Franzosen in seiner Brotfabrik mit bayerischem Schwarzbrot eindeckte, als moderner Münchhausen. Und in heimatlichen Osterberg kursierten die wahren Geschichten über den eigenwilligen und doch liebenswerten einstigen Schlossherrn, der stets mit Geschenken aufkreuzte, wie Baron Philip von Malsen-Plessen in seinem Nachruf in der übervollen Pfarrkirche sagte. Kaum war Baron Dieter - das ganze Dorf war mit ihm per du - unter großer Anteilnahme der teils weit angereisten Gäste und mit viel Gepränge am Samstag beigesetzt worden, erzählten sich die Menschen ihre persönlichen Elebnisse mit dem Verstorbenen. Bis in den späten Nachmittag dauerte das opulente Fest in der örtlichen Turnhalle, das nach dem letzten Willen des Baron kein trauriges war.
Treue und Traditionsbewusstsein gehörten zu den Werten des Baron, der aus der Kirche ausgetreten, aber doch mit ihm im Gespräch und ein nach Gott Suchender war, sagte der evangelische Pfarrer Hans-Joachim Scharrer aus Illertissen. Auch er wusste aus dem wechselhaften Leben des Dieter von Malsen-Ponickau zu erzählen, dessen glücklichste Zeit wohl die als Schlossherr Osterbergs mit seiner damaligen Frau Fiorenza war. „Mit Schaudern habe ich den Baron erzählen gehört“, so Scharrer weiter, dass sein strenger Vater die Kinder nachts zum Kühehüten hinausgeschckt habe, als Abhärtungsmaßnahme.“Philip von Malsen-Plessen, der als Neffe zusammen mit seiner Tante Fiorenza und Christl Zepp als Freundin der Familie vor Ort und den Osterberger Vereinen die Feier organisiert hatte, schilderte seinen Onkel als lebensfrohen, großzügigen Menschen, der seine Kanten hatte und auch mal grob werden konnte. Der es aber auch fertig brachte, mit der Musikkapelle Osterberg die Pariser Prachtstraße Champs-Elysées entlang zu marschieren, „ohne Genehmigung natürlich“, wie er schmunzelnd ergänzte. Sein Onkel war Gründungsmitglied des Reit- und Fahrvereins Babenhausen und er hat mitgeholfen, die Trachtengruppe er hat mitgeholfen, die Trachtengruppe als Teil des Gartenbauvereins Osterberg-Weiler wiederzubeleben. Rainer Schmalle, Vorsitzender des Veteranenvereins, hob stellvertretend für sämtliche Vereine, der Schützen und Feuerwehren Osterbergs uns Weiler, des Gartenbauvereins und der Musikkapelle die Verdienste des leutseligen Schlosshern hervor: „Wegen seiner Größe mussten wir zu ihm nach oben schauen, aber nicht wegen seiner Feste, die er genauso gerne unten im Dorf feierte.“