Von Wolfgang Kahler
Illertissen „Das Schlimmste wäre eine Panik.“ So kommentiert Hauptkommissar Werner Bräuer die Präventionsmaßnahmen an Schulen für den Ernstfall. Nach dem neuerlichen Amoklauf in Memmingen kommt die Sicherheitsfrage wieder auf die Tagesordnung. Aber die Polizei hat vorgesorgt. In den vergangenen Monaten war der stellvertretende Chef der Illertisser Inspektion an allen Schulen im südlichen Landkreis. Dort hat Bräuer Rektoren und Lehrkräften ein Konzept präsentiert, entwickelt vom bayerischen Innen- und Kultusministerium mit der Polizei. Das bestätigt Dr. Ralf Schabel. Der Rektor des Illertal-Gymnasiums weiß aber auch, dass die Schule keine Festung werden soll.
„Das Vorgehen in Memmingen verlief genau nach Plan“, betont Hauptkommissar Bräuer. Seiner Ansicht nach sei so auch eine Eskalation der Ereignisse unterblieben. Bräuer ist mit dem Sicherheitskonzept bei den Schulleitungen auf offene Ohren gestoßen. Zumal viele Lehrkräfte gar nicht gut genug vorbereitet waren, wie sie im Erstfall reagieren müssten.
In einer eineinhalbstündigen Powerpoint-Präsentation gab der Beamte sogenannte Handlungsempfehlungen. Eine wichtige Voraussetzung ist das Objektblatt, in dem alle schulischen Gesichtspunkte zusammengefasst werden – enorm wichtig für einen konkreten Einsatz von Sicherheitskräften.
Außer diesen äußeren Voraussetzungen geht es beim Präventionskonzept um das Verhalten der Lehrkräfte. Entscheidend seien unter anderem Lautsprecher-Durchsagen, damit eine Panik schon im Ansatz vermieden werden könne.
Die Lehrkräfte sollen alle in ihren Klassenzimmern mit Handys ausgestattet sein. Nur so könne im Ernstfall ohne Verzögerung die Notrufnummer 110 gewählt werden. „Auf jeden Fall sollen die Lehrer mit den Schülerinnen und Schülern in den Klassenräumen bleiben“, so Bräuer. Dann sollen die Kinder in sichere Bereiche des Zimmers gebracht werden. Dort sollten Schüler und Lehrkräfte sich so lange aufhalten, bis die Einsatzkräfte der Polizei Entwarnung geben. „Die Lehrer sind in so einem Fall die wichtigsten Personen, denn ihnen sind die Kinder anvertraut“, betont Bräuer.
Ein ganz anderer Aspekt sei die Präventivarbeit, damit es gar nicht erst zum Ernstfall komme, meint der Hauptkommissar. Wieder sind die Lehrkräfte gefragt. Die Aufmerksamkeit sollte sich auf das Verhalten von Schülern richten, denn viele Kriterien ließen Auffälligkeiten erkennen, beispielsweise, ob im Internet gewalttätige Beiträge veröffentlicht werden. Die Alarmglocken sollten natürlich besonders laut schrillen, wenn ein Schüler mit einer Waffe im Unterricht auftaucht, auch wenn es nur darum gehe, damit zu prahlen. Derartige Vorkommnisse sollten auf jeden Fall der Polizei mitgeteilt werden. „Gefährlich sind nicht nur Schusswaffen“, unterstreicht der Hauptkommissar. „Wenn wir eingreifen, ist das ein Schuss vor den Bug und besser, als es zu verharmlosen.“
Dass es trotz aller Präventionsmaßnahmen nie eine hundertprozentige Sicherheit geben kann, weiß auch Hauptkommissar Bräuer. Er richtet einen eindringlichen Appell an die Eltern: Bei einem Ernstfall sollten sie sich ruhig verhalten und keinesfalls zur Schule kommen, wo die Einsatzkräfte behindert wären. Als ziemlich problematisch sieht Bräuer den extremen Handygebrauch, um die Kinder in der Schule zu erreichen. Er hält es jedenfalls für enorm wichtig, dass die Lehrer sich intensiv mit der Problematik eines Amok-Alarms befassen, damit im Ernstfall eben keine Panik an einer Schule entsteht.