Vöhringen Bürgermeister Karl Janson besucht bereits zum achten Mal in Folge Theresia Reiser, um ihr zum Geburtstag zu gratulieren. Mit ihren 102 Jahren darf sie sich die älteste Bürgerin Vöhringens nennen. „Sie ist die lebende Stadtchronik“, sagt deshalb auch Janson. Denn Theresia Reiser kann viel erzählen über Vöhringen, seine Entwicklung und seine Bürger. „In 102 Jahren kann man schließlich viel erleben“, sagt sie. Auch was heute in Vöhringen passiert, interessiert sie: „Ich lese jeden Tag die Illertisser Zeitung.“
Theresia Reiser, geborene Graf, wuchs in Bellenberg am Schloßberg auf. Ihr Vater war Schneider, ihre Mutter Mesnerin in der dortigen Kapelle. Theresia Reiser half ihr, die Glocken zu läuten. „Das war eine harte Arbeit für ein junges Mädchen.“ Mit 13 Jahren beendete sie die Schule, machte dann eine Ausbildung als Näherin und ging auf die Stör. Das heißt, sie arbeitete bei Kunden zu Hause und fertigte dort für diese Kleidungsstücke an. Für manche Aufträge fuhr sie mit dem Rad sogar bis nach Ulm.
1935 schließlich heiratete sie ihren Mann Josef, einen Elektriker bei Wieland. In den folgenden Jahren bekamen sie drei Töchter. Doch an ein größeres Zuhause war nach dem Zweiten Weltkrieg kaum zu denken. Es herrschte Wohnungsnot. Schließlich konnten sie doch mit finanzieller Unterstützung der Stadt und der Firma Wieland im neu ausgewiesenen Baugebiet „Zwischen den Bächen“ ihren Traum vom Eigenheim verwirklichen. Noch heute lebt Theresia Reiser dort mit ihrer Tochter Rita und deren Familie. Auch ihre beiden anderen Töchter schauen gerne auf einen Besuch vorbei. Theresia Reiser hat sieben Enkel und fünf Urenkel.