Wie die Bäckerei Häussler ihre Produktion konsequent auf „grün“ umgestellt hat Von Ronald Hinzpeter

Osterberg/Memmingen Natürlich ist Herrmann Markus Häussler aus Osterberg ein konservativer Mensch, insofern unterscheidet er sich nicht von seinem Vater Hermann Josef, der immer noch für die CSU im Landkreis aktiv ist. Allerdings ist der Junior bei dem, was er tut, so konsequent grün, dass ihn die Bündnisgrünen eigentlich zum Vorzeigeunternehmer küren müssten. Seit er 1998 das traditionsreiche Bäckereiunternehmen der Eltern mit seinen nunmehr 16 Filialen übernahm, hat er es konsequent auf eine umweltschonende Produktion umgestellt – und damit auch den Vater überzeugt. „Als Lebensmittelhersteller müssen wir weiterdenken, als einfach nur ein Produkt zu vermarkten. Das hat auch was mit Verantwortung zu tun“, sagt Häussler junior. Deshalb stört es ihn auch nicht, dass ihn der konsequente Ökokurs derzeit noch Geld kostet, dass er seine Waren nicht ganz so kostengünstig herstellt wie andere.
Denn Umweltbewusstsein kostet. Zum Beispiel beim Strom. Bereits im vergangenen Jahr wollte er mit dem Betrieb weg von der Atomenergie. Deshalb suchte er sich einen kleinen Schweizer Stromlieferanten, der vor allem Wasserkraftwerke betreibt. „Das kostet uns 2000 Euro mehr im Jahr“, rechnet er vor, doch das will er in Kauf nehmen, denn schließlich sei nur langfristiges Denken der richtige Weg.
Die Gelegenheit, Entscheidendes im Betrieb zu ändern, ergab sich 2006, als das Unternehmen ein völlig neues Backhaus in Memmingen plante. Bei dieser „Mammutinvestition“, wie es Häussler nennt, wollte er von Anfang an so umweltfreundlich wie möglich vorgehen. Deshalb wurde das Herzstück des Betriebes, der Backofen, mit einer Hackschnitzelheizung ausgestattet. „Ich hatte zu Hause in Osterberg immer gesehen, wie der Tankzug mit 25000 Litern ankam und ein halbes Jahr später musste er wieder anrücken, weil schon wieder alles leer war.“ Er entschied sich gegen die mittlerweile sehr beliebten Pellets und setzte auf die Holzhackschnitzel. Die feuern nicht etwa den Ofen direkt an, sondern erhitzen ein sogenanntes Thermo-Öl, das in Leitungen durch den Ofen geführt wird und dort die Wärme wieder abgibt. Das Holz liefert ihm alle vier Wochen ein Landwirt aus Woringen – „und das erfüllt mich mit einer hohen Zufriedenheit, denn die Rechnung dafür zahle ich jemandem aus der Umgebung.“ Eine solche Anlage gibt es nach den Worten von Häussler nur vier Mal in der Bundesrepublik.
Die hineingesteckte Energie gewinnt er zudem teilweise zurück. Der aus dem Ofen aufsteigende Dampf wird kondensiert, ein Wärmetauscher führt die dadurch gewonnene Energie wieder dem Produktionskreislauf zu. Für die Kältekammer nutzt er das Grundwasser im Benninger Ried und auf dem Dach breiten sich mittlerweile blaue Solarzellen aus.
Von denen hielt Häussler zunächst nicht so viel, weil sie in seinen Augen eher eine Modeerscheinung waren. Doch dann hörte er vergangenes Jahr in Illertissen einen Vortrag von Franz Alt, dem Solarpapst und Buchautor. Seitdem ist auch Häussler ein Sonnenanbeter, „denn das war sehr überzeugend.“
Als Nächstes möchte er die Laster seiner Fahrzeugflotte auf Gas umstellen. Doch derzeit sei das kostenmäßig noch nicht darstellbar. Wenn die nächsten Neuanschaffungen anstehen, wolle er neu nachdenken.
Irgendwann werden sich all die Umweltinvestitionen amortisieren, davon ist der Großbäcker überzeugt. Momentan sei das schon „mehr eine Liebhaberei.“
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