Vöhringen Nach einem Sturz von einem Strommast am Rande des Vöhringer Sportparks ist am Samstag ein 15-jähriger Realschüler wenige Stunden später seinen schweren Verletzungen erlegen. Wie es zu dem Sturz kam, war gestern noch nicht restlos geklärt. Es könne sich um einen Unfall, aber auch um einen Suizid handeln, mutmaßt die Polizei. Ausschließen wollen die Ermittler Fremdverschulden oder einen gewaltsamen Tod. Auch eine Mutprobe komme wohl nicht infrage, wie ein Polizeisprecher äußerte.
Der Jugendliche hatte am Samstag wohl in den frühen Morgenstunden sein Elternhaus in Bellenberg verlassen. Angehörige suchten nach ihm, als sie sein Fehlen bemerkt hatten. Gegen 9.30 Uhr wurde der 15-Jährige gefunden. Er lag neben einem etwa 60 Meter hohen Strommast am Rand des Vöhringer Sportparks im Gras. Offensichtlich ist, dass er vom Mast abgestürzt war. Aus welcher Höhe dies geschah, ist laut Polizei aber noch unklar. Nähere Aufschlüsse soll wohl eine Obduktion im Laufe der Woche bringen. Als der 15-Jährige gefunden wurde, lebte er nach Polizeiangaben noch. Die Rettung kam zu spät. Er erlag am Samstagnachmittag im Krankenhaus seinen Verletzungen.
Der erneute tragische Tod eines Jugendlichen sorgte sofort für Aufsehen. Erst vor gut einer Woche waren in Memmingen zwei 13 und 16 Jahre alte Mädchen auf rätselhafte Weise unter einer Autobahnbrücke vom Zug erfasst und getötet worden. Begleitet von riesigem Medieninteresse hatte es zahlreiche Spekulationen gegeben, für deren Verbreitung Jugendliche insbesondere auf der Internetplattform „Facebook“ gesorgt hatten. Unter anderem war von riskanten Mutproben oder einem tödlichen Foto-Shooting mit Handys die Rede.
Ähnliche Vorgänge registrierte die Polizei auch gestern. Überregionale Medien waren auf der Suche nach Einzelheiten. Auf „Facebook“ habe es auch schon wieder wilde Spekulationen gegeben, hieß es. Um weitere Auswüchse zu verhindern, hat die Polizei noch am Wochenende mit der Leitung der Schule, in die der 15-Jährige in die 9. Klasse ging, Kontakt aufgenommen. Mithilfe eines Schulpsychologen soll dort das tragische Geschehen heute besprochen und aufgearbeitet werden. In Bellenberg hatte Dekan Huber im Sonntagsgottesdienst den Tod des Realschülers angesprochen.
Jugendliche klettern oft auf die Strommasten
Im Bereich des Sportparks stehen viele Gitter-Strommasten. Sie führen Überlandleitungen zum nahen Umspannwerk. Der Mast, von dem der Jugendliche gestürzt war, gehört zu den großen. Er steht am Rande eines Bolzplatzes. Wie an vielen Wochenenden spielten gestern dort Mitglieder des Hobbyclubs „Sparta“ Fußball. Erschrocken durch die Nachricht berichteten sie: „Auf dem Mast klettern häufig Jugendliche herum. Sie wollen wohl ihren Mut zeigen. Wir schimpfen und rufen oft, sie sollen herunterkommen.“
Für sportliche Jugendliche ist es nicht wirklich schwierig, die außen hochführenden Stahlsprossen zu erreichen, die nach oben führen. (rp)