Am kommenden Freitag erscheint - vom DZOK herausgegeben - ein Buch des 31-jährigen Ulmer Historikers Markus Heckmann, der sich am Beispiel Klopfers detailliert mit der Integration von NS-Tätern in die junge Bundesrepublik auseinandersetzt und zu dem Schluss kommt, dass diese Integration zwar einerseits von der Geschicklichkeit des Täters abhing, es andererseits aber das politische Nachkriegsdeutschland den Tätern sehr erleichterte, sich zu integrieren.
Dass dies oft nur äußerlich geschah, zeigt Heckmann am Beispiel Klopfers auf, der zeitlebens seinen ultrareaktionären Standpunkt beibehielt, sich in Ulm als Regimegegner ausgab und Versorgungsansprüche aus seiner Zeit als NS-Funktionär geltend machte. Der Preis für die Bürgerlichkeit war der des gesellschaftlichen Rückzugs, so Heckmann, der Zeitzeugen wie den ehemaligen Richter Klaus Beer befragte und aus dessen Erinnerungen an Dr. Gerhard Klopfer zitiert, "dass Klopfer die Hacken zusammenschlug, den Hut zog und sich tief verbeugte, wenn man ihn traf".
Dr. Gerhard Klopfer stammte aus Niederschlesien und trat 1933 als 28-Jähriger in die NSDAP ein, wo er eine steile Karriere bis in die höchsten Führungszirkel machte. In der SS bekleidete er den Rang eines Generals. Er lebte in der "NS-Mustersiedlung für Parteibeamte" in Pullach und war als rechte Hand Martin Bormanns in der Parteikanzlei und in Berlin tätig. Gesetze zur Verfolgung der Juden gingen über seinen Schreibtisch.
Bei Kriegsende tauchte Klopfer unter und lebte unter falschem Namen im Zell am See, bis er am 1. März 1946 der CIC ins Netz ging. Als "Hauptschuldiger" eingestuft, profitierte er von den sogenannten "Befreiungsgesetzen", über die Spruchkammern zu "Mitläuferfabriken" wurden. 1956 wurde er als Rechtsanwalt zugelassen.
In der BRD musste sich Klopfer nie vor Gericht verantworten
Markus Heckmann zeichnet die Biografie eines "Unbedingten" nach, der sich trotz seiner exponierten Position im NS-System niemals vor einem bundesdeutschen Gericht verantworten musste. Eine Stärke seines Buches ist die Recherche zur Wahrnehmung Klopfers in Ulm, auch der Vergleich, von dessen Lebenslinien, mit denen anderer NS-Täter ist hochinteressant.
Zeitzeugen erinnern sich, dass im Haus Dr. Gerhard Klopfers täglich eine Suppe aus selbst angebautem Dinkel auf den Tisch kam. Der Historiker Dieter Rebentisch erinnert an Klopfers Überzeugung, dass auch die sogenannte "schwarze Suppe" der Spartaner aus diesem Getreide hergestellt war.
"NS-Täter und Bürger der Bundesrepublik - das Beispiel des Dr. Gerhard Klopfer" erscheint im Verlag Klemm&Oelschläger, ISBN 978-3-932577-72-7.