Ranzenburg/Dietenheim Da war was los in der Hochburg schwäbisch-alemannischer Fasnet in der Region. Schon vormittags zogen am Donenrstag die Narren durchs Städtle, um die Schulkinder von ihren Rektoren zu befreien. Friedlicher gings am Nachmittag zu. Da wurden der Kindergarten Don Bosco und das Seniorenpflegeheim mit spaßigen Einlagen erfreut.
Der große Fackelumzug am Abend aber hatte es in sich: neu organisiert und formiert, mit den Ranzenburger Hexen voraus. Denen folgten haufenweise Griasmolle, Krottlachhexa, Heidgoale, Spielmannszug, die maskierten Kleinen aus den Kindergärten St. Martin und St. Josef, die Fasnetausgraber mit Stadtkapelle und viele, viele weitere Gruppen im Fasnets-Häs. So zogen sie mit mächtigem Brimborium zum Marktplatz, der ringsum mit Verpflegungsständen umsäumt war. Da wartete schon eine große Besucherschar, um das folgende Spektakel mitzuerleben.
„O Narrabaum, o Narrabaum“
Erstmals von der Rückseite her drangen die Hexen ins Rathaus und entmachteten den Bürgermeister Sigisbert Straub. Für den geht eine Ära zu Ende: „Mei Amt geb i heut zum letzten Mal ab und hoff, dass der Nachfolger au a Narrakapp hat.“ Er hat als Schultes die Altersgrenze erreicht. Unter dem Beifall der Massen auf dem Platz folgte sein „O Narrabaum, o Narrabaum, wie bunt sind deine Blätter. Du bleibst nur grad drei Stunden stehn, jetzt kann man nur den Stummel sehn. O Narrabaum, o Narrabaum, du bist so kurz, man sieht dich kaum.“
Dem Biber widmete er diese Zeilen: „Biber, Biber, liebes Tier, so langsam reicht es, glaub es mir. Du nagst uns alle Bäume um, die Grünen tanzen noch drumrum. Eines Tages, du wirst es sehn, musst du wieder von uns gehn.“ Und Prinz Sebastian I. setzte noch eins drauf. In seiner Proklamation wollte er die Biber in den Stuttgarter Schlosspark befördern, um dort die Bäume kostengünstig zu fällen. Per Bauschutt-Solarstrom habe sich Ranzenburg zum Energie-Riesen gewandelt. Nun plane er einige Hundert Windräder auf der hohen Halde. Und in weiser Voraussicht empfahl er den zu diesem Zeitpunkt noch nicht zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff als Nachfolger auf dem Kaiserthron in Illertissen.
Als Höhepunkt des Abends spielte sich auf der vor allem von Kindern umlagerten Bühne die „Sage“ ab. In einer Art Walpurgisnacht erstanden allerlei gruselige Gestalten, Hexen und Geister aus Nebel- und Rauchschwaden. Der Nachtwächter sorgte dafür, dass sie den braven Ranzenburgern nichts antaten.