Neu-Ulm Leichtfüßig, fast elegant wirkt es, wie sich Christoph Hanke die Wand hinauf hangelt. Doch sein ganzer Körper steht unter Anspannung. Schweiß perlt am beachtlichen Bizeps hinab. In knapp 15 Metern Höhe bahnt er sich mit dynamischen Tritt-Griff-Kombinationen den Weg nach oben, natürlich immer am Seil gesichert. Seine Bewegungen sind gleichmäßig, aber nicht hektisch. „Beim Sportklettern geht es nicht darum, wer am schnellsten oben ankommt“, entkräftet der 18-jährige Münchner ein gängiges Klischee: „Die Zeit spielt nur eine Nebenrolle, es geht um die Höhe.“ Für den höchsten Griff gibt es die meisten Punkte, bei der Wertung wird zwischen bloßer Berührung und wirklichem Festhalten unterschieden. Lediglich bei identischer Punktzahl entscheidet die Zeit.
Christoph Hanke ist Teil der Junioren-Nationalmannschaft der Sportkletterer des Deutschen Alpenvereins (DAV), die am vergangenen Wochenende erstmals im Neu-Ulmer Sparkassen-Dome ihr Trainingslager aufschlug. Neun Mädchen und zehn Jungs im Alter von zwölf bis 19 Jahren bilden die Elite des deutschen Kletternachwuchses.
Christoph ist schon seit zwei Jahren im Kader und damit eines der erfahrensten Mitglieder. Ernsthaft begonnen mit dem Klettern hat er im Alter von 13 Jahren. „Ich habe lange geturnt, bis mir das Training einfach zu monoton wurde“, erzählt Christoph: „Beim Klettern ist dagegen jede Route eine ganz neue Herausforderung.“ Die abwechslungsreichen Bewegungen, der hohe Krafteinsatz, aber auch die psychischen Anforderungen faszinieren ihn an diesem Sport. Am Fels klettert er zwar zwischendurch auch gerne mal. „Doch da zählt hauptsächlich der Fun-Faktor.“
Ernst wird es dagegen in der Halle, denn gerade mal sechs Minuten haben die Athleten Zeit, sich die jeweiligen Routen anzusehen und einzuprägen. „Wettkampfklettern ist eine Sportart, die sich auch im Kopf abspielt“, erklärt Junioren-Bundestrainer Gunter Gäbel: „Fehler werden nicht verziehen. Du hast nur eine Chance: so hoch wie möglich zu klettern.“
Für die Talente bildete das Trainingslager im Sparkassen-Dome eine wichtige Zwischenetappe bei der Vorbereitung auf die Junioren-Weltmeisterschaft im Oktober in Singapur. Olympisch ist die Sportart dagegen nicht. Noch nicht. Doch jetzt ist Bewegung in den Klettersport gekommen. Vor zwei Jahren hat das Internationale Olympische Komitee den weltweiten Dachverband anerkannt, 2020 könnte erstmals um Gold-, Silber und Bronzemedaille geklettert werden, bundesweit schießen moderne Kletterhallen wie im Neu-Ulmer Starkfeld aus dem Boden und es wird bereits an für Fernseh-Übertragungen attraktiveren Wettkampfabläufen getüftelt.
„Ich glaube, wir sind damit auf dem richtigen Weg „ sagt Bundestrainer Gäbel. Gerade bei jungen Leuten sei die Begeisterung an einer der natürlichsten Bewegungsformen des Menschen groß. Gäbel: „Es geht darum, noch mehr Menschen für diesen faszinierenden Sport zu begeistern, dann wird sich das auch positiv auf das Sportklettern auswirken.“
2020 wird Christoph Hanke, eines seiner momentan größten Klettertalente in Deutschland, 26 Jahre alt sein. Eigentlich ist das genau das richtige Alter für die Olympischen Spiele.