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Kellertheater Ursberg: Auf der Suche nach dem guten Menschen

Kellertheater Ursberg

Auf der Suche nach dem guten Menschen

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    Den guten Menschen von Sezuan spielte der Q11-Kurs für darstellendes Spiel im Kellertheater des Ringeisen-Gymnasiums Ursberg.
    Den guten Menschen von Sezuan spielte der Q11-Kurs für darstellendes Spiel im Kellertheater des Ringeisen-Gymnasiums Ursberg. Foto: Pagel

    Ursberg Abraham bittet Gott, die Stadt Sodom zu verschonen, wenn es in ihr einige wenige Gerechte gibt. Er findet dort Lot, einen reichen Verwandten Abrahams. Aber liegt es nicht näher, bei den Armen zu suchen? Bertolt Brechts Parabel „Der gute Mensch von Sezuan“ unternimmt diese Suche. Mit ihm suchte der Q11-Kurs für darstellendes Spiel im Kellertheater des Ringeisen-Gymnasiums der St. Josefskongregation Ursberg. Die begeisterten Zuschauer ließen sich von der Frage gefangen nehmen, ob unsere Welt noch zu retten ist.

    Der gute Mensch ist schwer zu finden. Da ist zunächst der drollige Wasserträger (Anna Eberle). Ihm kann man kaum glauben, dass selbst er seine Kunden systematisch beschwindelt. Die freigekaufte Prostituierte Shen Te (Anna Katharina Müller) verliert in ihrer Herzensgüte jedes Maß, sodass sie ihren Tabakladen und ihre Freiheit kaum länger halten kann, wäre da nicht ihr Vetter (Lena Hackenberg), der feste Prinzipien zu haben scheint und für geordnete Verhältnisse sorgt. Doch auch er verrät seine Base in Liebesdingen. Auch der erfolgreiche, hinterhältige und aufschneiderische Geschäftsmann, der Barbier Shu Fu (Mario Drößler) kommt nicht infrage, obwohl er sich gelegentlich als großzügiger Mäzen betätigt. Es bleiben die zwei gerechten alten Nachbarn von Shen Te, die ihr in der Not das Ersparte leihen.

    Als Marxist war Brecht dafür, dass man die gesellschaftlichen Verhältnisse von unten verändern müsse. Doch die „Herrschaft des Proletariats“ entpuppt sich hier bestenfalls als wirkungsloses Gutmenschentum und schlimmstenfalls als Faulheit und Kriminalität. Erfolgreicher scheint in diesem Drama der Kapitalist, der Vetter, der den Tabakladen zu einer Tabakfirma entwickelt und vielen Leuten Arbeit verschafft.

    Der Augsburger Dramatiker Bertolt Brecht wollte mit seinem Theater die Menschen erziehen. Die erste Hälfte des Theaterabends in Ursberg stand ganz im Zeichen der Moral, der Zuschauer fühlte sich penetrant gemaßregelt: Wie böse sind nicht diese Kapitalisten, wie gut könnte man zusammenleben! Nach der Pause wurde allmählich klar, dass Shen Te und ihr Vetter eigentlich ein und dieselbe Person sein müssen: Kommunismus und Kapitalismus als zwei Seiten einer Medaille.

    Zuschauer fühlen sich penetrant gemaßregelt

    Während diese beiden Seiten – verkörpert durch Shen Te und ihren Vetter – noch um das Gute kämpften, scharten sich um sie Personen, die verschiedene menschliche Triebe verkörpern: der Flieger, ein verträumter, wechselhafter Egoist (Arthur Sommer) und seine intrigante Mutter (Chiara Lachenmaier), die schmeichlerische Putzfrau (Lena Scherer) und die wunderlich eitle Hausbesitzerin (Caroline Reili), die alle ihre eigenen Fäden um das Ganze spinnen. Am Ende steht der Mensch da in allen seinen Facetten.

    Regisseur Dominik Ritte ist der Einstand ins Theatergeschäft gelungen. Und auch die Theatergruppe will man gerne wiedersehen. (zg)

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