Buch-Waldreichenbach „Viel Volk aus Nah und Fern“ war am zweiten, sonnigen Augustwochenende nach Waldreichenbach zum „Fürstlich Fuggerschen Forsthaus“ gekommen. Dort wollten die Gewandeten sowie die Besucher der Gegenwart buntes Markttreiben und Kurzweil erleben. Sie wurden nicht enttäuscht. Zum 11. Mal richteten dieses mittelalterliche Ritterturnier Gastgeber Wolf Dobermann und seine Gefährten aus.
„Wir leben hier in einer Parallelwelt, früher nannte man es Spinnerei, wenn Erwachsene in Rollen schlüpften, im Heute hat es seinen festen Platz gefunden“, so Dobermann. Auch die sechsköpfige „Kaufmannsfamilie aus Attenhofen“, lebt hier ihren Traum. In nur einem Jahr haben sie ihre zwei Zelte mitsamt Ausstattung und Kleidung selber gefertigt. „Die Hausherrin kann gut auf Uhren und Handy verzichten, bei der Schokolade sieht es jedoch etwas anders aus.“
Das erste Messer für einen jungen Knaben
Man weiß nie, wer sich hinter den Gewändern verbirgt, wenn man über den Markt schlendert. Hier kauft ein Knappe einen Bogen oder der Schmied fertigt für einen jungen Knaben sein erstes Messer. Düfte von Kräutern und Räucherware locken die Gäste näher zum Stand. Verweilen durfte man im Parzival-Kulturzelt, bemalt wurde es mit 17 Motiven aus Wolfram von Eschenbachs Parzival-Epos. Hier basiert alles auf den magischen Primzahlen. Eine Schar von Kindern und Erwachsenen hockt unter Bäumen bei der Marionettenspielerfamilie „Die Schlamputzen.“ Sie bewundern und lachen über die Hexe Lucia Magnifica bei ihren akrobatischen Kunststücken am Seil. Nicht weit davon hat das hochmittelalterliche Adelshaus „Argentum Serpentis“, das sich mit Ritter Johann August von Heidrich auf der Reise in das Heilige Land Jerusalem befindet, sein Lager aufgebaut.
Bei Dieben wird nicht lange gefackelt
Gleich nebenan hält der Hofstaat von „Indilebilis Ensis“ Marktgericht. Im Mittelalter wurde nicht lange gefackelt, wenn man einen Hufeisendieb erwischte. Ein offenes Zelt im Heerlager „Der Ritter der schwarzen Lanze“ zeigt, dass ein Ritter fast nie allein auf Reise war. Er hatte sein Gefolge dabei. Hier sind es fast 30 Mittelalter-Begeisterte, die am Lagerleben teilnehmen. Beim spektakulären Feuernachts-turnier zeigte Rolf Lerch, unter dem Namen Hartmann von Brandenburg bekannt, mit seinen sechs Berittenen, die hohe Kunst, den Pferden die Scheu vorm Feuer zu nehmen. Ohne Angst vor Fackeln und im Feuerring stehend, sieht man sie beim Turnier. „Reiter, die Interesse am Mittelalter haben, sind gerne gesehen“ sagt Lerch. Ebenfalls einmalig: Beim Tjost, dem sogenannten Mann-gegen-Mann-Kampf mit Schild und Lanze, befinden sich gleich vier Reiter auf dem Turnierplatz. Auch musikalisch bekommt der Besucher viel geboten. Dirk Kilian, der mittlerweile über 15 mittelalterliche Instrumente spielt, begeistert mit seiner Gruppe „Triskilian“ die Zuschauer. Auch „Wolkenstayn“, mit Instrumenten wie Drehleier, Pommer und Schäferpfeife, vermitteln dem Zuhörer pure „Lebenslust des Mittelalters“. Das „Duo Jomamakü“ bringt das Volk zum Staunen und Mitmachen. Ebenso sehenswert die Feuerschau mit „Vessaniae“ und „Liberi Noctis“. Wer abschalten wollte, hatte die Chance, im „Gaudium Thermale“ unterzutauchen.