Aichen In der Kirchengemeinde Sankt Ulrich geht eine Ära zu Ende: Die 81-jährige Hermine Geiger gibt nach über 50 Jahren das verantwortungsvolle Amt als Organistin ab und legt es in jüngere Hände. Nachfolger wird der 20-jährige Student Johannes Fischer aus Obergessertshausen, der bei Hermine Geigers Tochter Hermine das Orgelspiel erlernte und den weiterführenden Unterricht in Ursberg bekam.
Wie kam die im März 1930 in Aichen geborene Hermine Geiger zu diesem Amt? Da sie aus einer musikalischen Familie stammte, kaufte man ihr 1942 ein gebrauchtes Klavier. Unterricht erhielt sie vom damaligen Dorflehrer Ludwig Winter. Als dieser zum Kriegsdienst gerufen wurde, ging die Ausbildung in Ursberg weiter. 1948 trat Hermine Fendt, wie sie damals noch hieß, dem Kirchenchor bei. 1954 heiratete sie Hermann Geiger und spielte aushilfsweise die Orgel. Als Winter 1962 in Ruhestand ging, übernahm sie dieses verantwortungsvolle Amt. Von da an hatte der Kirchendienst Vorrang und der Haushalt mit vier Kindern musste warten.
Nach einem festlichen Gottesdienst, der von Hermine Geiger an der Orgel verschönert wurde, kam etwas Wehmut auf, als Ortspfarrer Carl Rademaker nochmals ans Mikrofon trat und verkündete, dass Geiger ihren Dienst aufgibt. Er lobte sie als unermüdliche Kirchendienerin, starke Christin und treue Seele, die weit über 12000 Mal zur Ehre Gottes und Freude der Menschen an der „Königin der Instrumente“, wie Kirchenorgeln genannt werden, gesessen hat. In Anerkennung ihres ehrenamtlichen Dienstes überreichte der Geistliche eine Urkunde des Augsburger Bischofs, der für das Engagement der Kirchenmusikerin Lob und Dank aussprach. Da die Familie von Hermine Geiger oft auf Ehefrau und Mutter verzichten musste, überreichte Pfarrer Rademaker noch eine geschnitzte heilige Familie sowie einen Gutschein für ein Wochenende in Bad Wörishofen.
Bürgermeister Alois Kling, der auch im Kirchenchor mitsingt, dankte im Namen der politischen Gemeinde und wünschte noch lange Gesundheit und Lebensfreude. Für die Kirchenverwaltung übermittelte Werner Scherer der scheidenden Organistin Lob, Dank und ein Blumengebinde. Der Kirchenchor, dirigiert von Georg Huber, mit dem die Organistin jahrelang wöchentlich probte, sang zum Abschied zwei Lieder, bevor zum Schluss aus vielen Kehlen „Großer Gott, wir loben Dich“ erklang. (kk)