Ursberg In vielen deutschen Wohnzimmern gehört der Freitagabend-Krimi im Fernsehen zur traditionellen Abendgestaltung. Den Krimi einmal nicht von der Wohnzimmercouch aus bei Chips und Nüsschen, sondern quasi live in einem Restaurant erleben, konnte man wieder am vergangenen Wochenende im Klosterbräuhaus-Saal in Ursberg.
Zwei Schauspieler kredenzten zu Amuse-Gueule, Hummerrahmsuppe, Schweinefilet „im Würgegriff“ und Blutorangenterrine mit Panna Cotta einen fast perfekten Doppelmord in vier Akten. Das Konzept „Dine & Crime“ lockte jeweils rund 100 Krimifans zu den Gaumenfreuden an zwei Tagen des Wochenendes.
Mucksmäuschenstill ist es im Publikum
Gastronom Bernd Schramm, Geschäftsführer des Klosterbräuhauses, legte damit ein im Februar 2011 erstmals ausprobiertes Konzept der Eventgastronomie noch einmal neu auf. Geboten wurde das gleiche Stück wie damals: „Candlelight-Killers“, eine Krimifarce in vier Akten von Marcus Morlinghaus. Klapperte während der einzelnen Gänge des Menüs munter das Besteck, so war es während der schauspielerischen Darbietung mucksmäuschenstill im Publikum. Johanna Schubert als Magdalena Neubrück und Claus-Peter Damitz als Valentin von Wehlen fesselten die Gäste mit dem Zwei-Personen-Stück, in dem lediglich eine Kellnerin als Statistin Zusatzdienste verrichtete.
Raumfüllend ließen die beiden vom Ehemann und vom Chef Abservierten ihren Frust über ihre Situation ab und kreierten vor dem inneren Auge des Zuschauers den Mord am jeweiligen Verursacher der Lage. Valentins Chef hat ihn, den Entwickler eines tollen Marketing-Konzepts für Klopapier, einfach rausgeschmissen und durch eine Praktikantin mit sexuellen Ambitionen ersetzt. Lena, die einst eine Künstlerlaufbahn ansteuerte und ihre Ideale für einen reichen Gatten in den Wind schoss, wurde von diesem durch ein jüngeres „Nachfolgemodell“ ersetzt. Die beiden Tischgenossen wider Willen lassen ihren Mordgelüsten verbal freien Lauf.
Sie spinnen die Taktik und sinnen über die Technik. Am besten, so meinen sie, wäre es, wenn einer das Hassobjekt des Tischnachbarn und umgekehrt zur Strecke brächte. Valentin also den Mann von Lena und Lena den Chef von Valentin. Dann wäre später keiner der Täter zu finden, weil weit und breit kein Motiv in Sicht wäre. Dumm nur, dass die beiden schließlich entdecken, dass Ehemann und Chef ein und dieselbe Person sind und natürlich beide Mordlüsternen eine Verbindung zu ihm haben. Wer schließlich tatsächlich stirbt und wer das Mordkomplott eingefädelt hat, klärt sich nach dem Dessert und einem langen, aber spannenden Theaterabend.
Beide Schauspieler sind Profis durch und durch und spielten exzellent. Johanna Schubert lernte ihr Handwerk in den 80ern am Max-Reinhardt-Seminar in Wien. Sie spielte auf großen und kleinen Bühnen in ganz Deutschland und als Film- und Fernsehschauspielerin in Serien wie „Der Fahnder“, „Tatort“ oder „SOKO 5113“. Ihr Kollege Claus-Peter Damitz lernte Schauspiel an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover, spielte am Grips Theater Berlin und anderen Bühnen. Zahlreiche Tourneen mit Hauptrollen absolvierte er und ist heute in München Synchron- und Kommentarsprecher.
Termin Die nächste besondere Veranstaltung im Klosterbräuhaus ist „Loriots Dinnershow“ am Samstag, 18. Februar, ab 19.30 Uhr mit einem Vier-Gänge-Menü. Karten über www.klosterbraeuhaus.de oder (08281) 99890.