Landkreis Vor zwei Jahren blockierten Hunderte Milchbauern mehrere Molkereien, um ihrer Forderung nach einem höheren Milchpreis Nachdruck zu verleihen. Mittlerweile ist es ruhig geworden um die Erzeuger. Ob sie mit den augenblicklichen Preisen zufrieden sind und damit leben können, verrät Johann Wachter aus Waltenhausen im Interview. Er ist Vorsitzender des Kreisverbands des Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM). Von Maximilian Czysz

Vor zwei Jahren standen die Bauern zum ersten Mal auf der Straße. Jetzt ist nichts mehr von ihnen zu hören. Warum?
Johann Wachter: Die Milchproduktion war 2008 beinahe zum Erliegen gekommen, über 60 Prozent der Bauern beteiligten sich am Streik. Danach stiegen die Erlöse, weshalb viel mehr Milch produziert wurde. Dadurch gab es eine Überproduktion, Angebot und Nachfrage kamen aus dem Gleichgewicht und der Milchpreis fiel auf ein historisches Tief - teilweise auf 18 Cent.
Damit kann aber kein Milchbauer leben.
Wachter: Nie. Damit lassen sich nicht einmal die Kosten decken.
Wie hoch ist der Milchpreis im Augenblick im Durchschnitt?
Wachter: 31 Cent.
Reicht das aus?
Wachter: Das sind etwa zehn Cent mehr als im vergangenen Jahr. Um kostendeckend arbeiten zu können, bräuchten wir mindestens 40 Cent. Das heißt aber auch: Damit verdienen wir noch kein Geld, wir bräuchten mehr.
Macht die Arbeit überhaupt noch Spaß, wenn man weiß, es kommt unter dem Strich nichts dabei heraus?
Wachter: Was haben wir für Alternativen? Wer sich als Landwirt einen Job sucht, der wird oft nur Hilfsarbeiter. Außerdem: Aufzuhören funktioniert nicht immer, z. B. Betriebe, die in die Milchviehhaltung investiert haben, sind durch den anfallenden Kapitaldienst gezwungen, weiterzumachen. Die 31 Cent sind schon ein kleiner Lichtblick. Bei der Milch ist im Augenblick eine Nachfrage vorhanden. Was die Molkereien produzieren, wird restlos verkauft, auch der Export steigt.
Viele Milchbauern aus Bayern, Baden-Württemberg und Hessen, die dem BDM nahestehen, konzentrieren sich auf die "Faire Milch" - sie wird gentechnikfrei und nachhaltig produziert. Hat die "Faire Milch" auch einen entsprechenden Absatz?
Wachter: Ja, die "Faire Milch" hat einen sehr guten Absatz. Es könnte noch mehr verkauft werden, aber die abfüllende Molkerei arbeitet bereits am Limit.
Gibt es keine andere als Lohnbetrieb arbeitende Molkerei, die das Prinzip mit der "Fairen Milch" verwirklichen kann?
Wachter: Nein, zurzeit nicht. Unsere bayerischen Molkereien sehen in der "Faire Milch" eine Konkurrenz. Es würde aber tatsächlich Molkereien geben, die die "Faire Milch" abfüllen könnten.
Was verdienen Landwirte mit der "Fairen Milch"?
Wachter: Was über die "Faire Milch" verkauft wird, bringt 40 Cent. Das ist Fakt.
Sie sind von der "Fairen Milch" überzeugt, beliefern Sie selbst aber nicht. Warum?
Wachter: Wir haben einen laufenden Vertrag mit einer anderen Molkerei, an den wir gebunden sind. Wir würden aber gerne die "Faire Milch" beliefern. Schließlich ist es doch so: Je mehr Landwirte sich der "Fairen Milch" anschließen, desto mehr kommen unsere angestammten Molkereien in Zugzwang, ihre Milchpreise anzuheben. Je mehr Verbraucher die "Faire Milch" kaufen, desto mehr Milchbauern können Sie beliefern.
An der Fairen Milch wird kritisiert, dass sie in Hessen abgefüllt wird. Ideal wäre doch, wenn sie auch in der Region hergestellt würde.
Wachter: Die beteiligten Landwirte sind doch gezwungen, die Milch nach Schlüchtern in Hessen zu fahren, weil hier in Bayern keine Molkerei bereit ist, sie abzufüllen. Wir sind in eine absolute Abhängigkeit gekommen. Das haben viele Molkereien gnadenlos ausgenutzt. Der Milchbauer muss wieder umdenken: Ihm muss klar werden, was er tatsächlich erreichen kann. Er hat die Milch, die der Konsument will. Er liefert den Rohstoff und nicht die Molkerei. Und dafür muss er einen kostendeckenden Preis verlangen. Er darf nicht nur warten, dass jeden Tag der Milchsammelwagen kommt und die Milch abholt. Das ist bequem, aber kein unternehmerisches Denken.
Sie haben mentale Flexibilität angesprochen: Wäre es nicht eine Lösung, dass sich mehrere Bauern zusammenschließen und eine eigene Molkerei oder Käserei bauen?
Wachter: Das wäre sicherlich eine Lösung für die Zukunft.
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