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Unglück der "Costa Concordia": Die dramatische Rettung der Krumbacher Passagiere

Unglück der "Costa Concordia"

Die dramatische Rettung der Krumbacher Passagiere

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    Schwere Schlagseite hat die „Costa Concordia“: Sie war vergangenen Freitag gegen einen Felsen an der Westküste Italiens gelaufen. Wie viele Passagiere bei dem Unglück ums Leben gekommen sind, ist noch nicht klar. Noch immer gibt es Vermisste. Acht Krumbacher befanden sich an Bord und konnten sich retten.
    Schwere Schlagseite hat die „Costa Concordia“: Sie war vergangenen Freitag gegen einen Felsen an der Westküste Italiens gelaufen. Wie viele Passagiere bei dem Unglück ums Leben gekommen sind, ist noch nicht klar. Noch immer gibt es Vermisste. Acht Krumbacher befanden sich an Bord und konnten sich retten. Foto: Fotos: dpa, picture alliance

    Krumbach/Giglio Augenblicke, die sich mit Worten nur schwer beschreiben lassen. Unter Deck rutschen Waltraud und Josef Rogg aus Haupeltshofen an der Wand entlang, um von ihrer Kabine nach draußen zu kommen. Es ist dunkel, die Stromversorgung auf der „Costa Concordia“ funktioniert nur noch teilweise, das Kreuzfahrtschiff neigt sich bedrohlich zur Seite. Das Ehepaar schafft es wie seine Freunde aus Krumbach in ein Rettungsboot. Sie kommen mit dem Leben davon. Die dramatischen Bilder vor Augen, wird jetzt Kritik an den Rettungsmaßnahmen laut. Die Passagiere seien zu lange über die Situation im Unklaren gelassen worden.

    Flaschen flogen plötzlich durch die Kabine

    Dass etwas nicht stimmt, wurde den meisten sofort klar, nachdem das tonnenschwere Kreuzfahrtschiff einen Felsen an der Insel Giglio gerammt hatte. Die Roggs seien in ihrer Kabine förmlich gegen die Türe geschleudert worden. Bei Luise und Manfred Hoyer aus Krumbach flogen Flaschen durch den Raum. Das war am Freitagabend gegen 21.30 Uhr – der letzte Tag einer schönen Reise durch den Mittelmeerraum. Freitag, der 13. Die Roggs befanden sich zu diesem Zeitpunkt wie die befreundeten Hoyers in ihrer Kabine. „Das war unser Glück“, sagt Josef Rogg. Denn so hatten sie die Rettungswesten sofort griffbereit. Frieda und Erwin Krämer, die mit ihrer Tochter Gabi und deren Freund mitgereist waren, saßen derweil im Theater.

    Ein Zauberer zeigte seine Qualitäten. Viele Gäste bemerkten zwar den Ruck, als das Schiff den Felsen der Insel Giglio rammte: „Es hörte sich an, als ob das Schiff auf einen Kieshaufen gefahren wäre“, erinnert sich Frieda Krämer. Aber nur wenige ahnten, was tatsächlich passiert war. Erwin Krämer scherzte noch, dass der Zauberer im Theater besondere magische Kräfte haben müsste: Er konnte sogar den Vorhang in Schieflage bringen. Tatsächlich neigte sich aber das Schiff.

    Für die Gäste im Theater verstrich wertvolle Zeit: Während die Krämers zurück zur Kabine am anderen Ende des Schiffs eilen mussten – dort befanden sich nämlich ihre Rettungswesten – kletterten andere bereits in die Rettungsboote. Unter ihnen befanden sich die Hoyers, die sich, wie in der Einweisung erklärt, warm angezogen sowie einige Dokumente und Medikamente eingepackt hatten. Am Sammelplatz herrschte schon Panik. „Wenn sich alle so ruhig verhalten hätten wie wir, dann wäre es vielleicht anders abgelaufen“, meint Luise Hoyer. Sechs Rettungsboote seien bereits überfüllt gewesen. Als sie am siebten standen, wagten sie den Sprung: Jetzt oder vielleicht nie.

    Passagiere rutschen auf dem Blut anderer aus

    Für Erwin und Frieda Krämer sollte es noch viele Stunden dauern, bis die Rettung nahte. Was sich in diesen Stunden abspielte, wird sich ins Gedächtnis der Krumbacher brennen. Bilder, die sie nie vergessen. Zunächst kippte ihr Rettungsboot an der Bordwand des Luxusliners. Alle Passagiere mussten schnell aus dem kleinen Boot zurück klettern. Frieda Krämer war eine der Letzten. „Ich hatte da schon mit dem Leben abgeschlossen. Meinem Mann hatte ich gesagt, dass wir da nicht mehr rauskommen“, erinnert sie sich. „Ich hatte keine Kraft mehr und habe immer wieder geheult.“ Doch sie schaffte es zurück. Verkehrte Welt auf dem Schiff: „Was Wand war, wurde plötzlich Boden.“ Frieda Krämer wurde nach oben gezogen und konnte sich bis zu ihrer Rettung am nächsten Morgen irgendwo festklammern. Sie hatte einen Schuh verloren, ihre Hose war aufgeschlitzt. Sie hatte gesehen, wie andere Passagiere auf Blut ausgerutscht waren. Und sie hat noch die Schreie im Ohr, als plötzlich das Licht auf der „Costa Concordia“ ausgegangen war.

    Während die einen auf dem Schiffsrumpf ausharrten, warteten die anderen an der Kaimauer am Hafen der Insel Giglio. Viele der Überlebenden hatten sich Fetzen von Wärmefolie und sogar Klopapier gegen die Kälte um die Füße gebunden, erinnern sich die Hoyers. Einige hatten sich ihre Schuhe ausziehen müssen, um vom Kreuzfahrtschiff auf eine der aufgeblasenen Rettungsinseln springen zu können. Andere wiederum banden sich Mülltüten um: Sie hatten außer einer Unterhose nichts mehr am Leib gehabt.

    Dafür bemühten sich die Bewohner der Insel rührend, erinnern sich die Hoyers. Viele schleppten Decken und sogar Geschirrtücher herbei, um die havarierten Gäste zu wärmen. Andere kochten Tee, ein kleiner Markt in dem Hafenörtchen öffnete und verteilte alle Getränke an die Schiffbrüchigen. Wieder andere Bewohner stellten ihre Betten bereit, um die Erschöpften darin schlafen zu lassen. Für die Krumbacher endete der Albtraum nach 46 Stunden.

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