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Konstantin Wecker kommt nach Günzburg: Einer, der sich empört

Konstantin Wecker kommt nach Günzburg

Einer, der sich empört

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    Konstantin Wecker kommt am 16. November nach Günzburg.
    Konstantin Wecker kommt am 16. November nach Günzburg. Foto: Ralf Lienert

    Für viele ist es das Konzert des Jahres in Günzburg: Liedermacher Konstantin Wecker tritt am Freitag, 16. November, im Forum am Hofgarten auf. Wir sprachen mit dem Musiker in dieser Woche am Telefon. Wecker hielt sich gerade in St. Anton in Tirol auf.

    Hallo Herr Wecker, wie geht es?

    Wecker: Wunderbar. Es ist sonnig hier in St. Anton. Ich habe gerade Schinkennudeln serviert bekommen, es waren die besten, die ich je gegessen habe.

    Sie treten am 16. November (Beginn 20 Uhr) in Günzburg auf. Hier ist es neblig. Kennen Sie die Stadt?

    Konstantin Wecker: Ich war schon mal da, weiß aber nicht mehr, wann das war.

    Was haben Sie in Günzburg getan?

    Wecker: Ich bin dort wohl aufgetreten. Warum sollte ich sonst in Günzburg gewesen sein.

    Es gibt hier das Legoland, aber egal … Worauf dürfen sich Konzertbesucher am 16. November freuen?

    Wecker: Es wird ein sehr musikalisches Programm, es werden Lieder von meiner neuen CD „Mut und Zärtlichkeit“ zu hören sein. Ich habe das Glück, vor meinen Fans neue Lieder spielen zu können. In Günzburg will ich zu 80 Prozent neue Songs singen.

    Aber Ihren Kult-Song Willy wird’s bestimmt auch geben.

    Wecker: Nein, den werde ich nicht singen.

    Schade. Das frühe Lied „Du, ich lebe immer am Strand“ gibt es dann auch nicht?

    Wecker: Vielleicht spiele ich es. Ein paar alte Lieder werde ich schon rausholen. Aber ich will mich nicht nur auf die Vergangenheit reduzieren lassen. Bei meinem Konzert in Günzburg sind wunderbare Musiker dabei, die zuhören und sehr schnell auf Stimmungen eingehen können.

    „Genug ist nicht genug“ ist so ein Kultsong, über den sich Wecker-Fans bestimmt freuen würden. Ist das Genießen immer noch Ihr Lebensziel?

    Wecker: Das war es immer und ist es auch weiterhin. Ich bin Epikureer – und das meine ich wie früher die Griechen. Ich lehne jedenfalls kirchliche Vorstellungen ab, dass die Erde ein Jammertal zu sein hat.

    Aber so leicht ist es ja mit dem Genießen nicht. Es sei kein leichtes Spiel, heißt es im Lied. Vielleicht reicht ja das Genießen nicht. Letztlich geht es ja um ein sinnvolles Leben.

    Wecker: Das Genießen allein beantwortet natürlich die Sinnfrage nicht. Aber ich bin überzeugt, dass wir die Fragen nach dem Woher und Wohin nicht mit dem Denken lösen können. Dieser Sinn erschließt sich nur im Sein.

    Was meinen Sie damit?

    Wecker: Es geht darum, den rechten Augenblick zu leben. Das ist sehr schwer. Wenn wir denken, sind wir meist in der Vergangenheit und in der Zukunft, aber schon nicht mehr in der Gegenwart. Leute wollen sich oft mit Extremerfahrungen den richtigen Kick geben, sie wollen ganz intensiv in der Gegenwart dabei sein. Die Musik ist auch so eine Möglichkeit, den Augenblick zu leben.

    Sie singen: Nur die Götter gehn zugrunde, wenn wir selber gottlos sind. Hat Ihre Sinnsuche keine religiöse Dimension?

    Wecker: Ich glaube, dass ich ein Atheist bin, aber gleichzeitig ein spiritueller Mensch und Mystiker. Es gibt für mich im Denken kein Argument, an Gott zu glauben. Im mystischen Erleben ist das allerdings anders. Wenn irgendwelche Fundamentalisten aber sagen, sie wüssten, was Gott zu ihnen gesagt hat, bin ich misstrauisch. Und wenn Moral gepredigt wird, hört es ganz auf. Da geht es dann meistens um Machtinteressen. Zum Beispiel die kirchliche Sexualmoral, die das Lustvolle am Leben nehmen will. Da heißt es: Ihr müsst jetzt kräftig leiden, damit Ihr nachher im Paradies aufleben könnt.

    Es ist bei Ihnen demnach gar kein Platz für Gott.

    Wecker: Nicht ganz. Im mystischen Erleben kann ich etwas Göttliches spüren.

    Sie haben wohl schlechte Erfahrungen mit der Kirche gemacht?

    Wecker: So würde ich es nicht sagen. Meine Eltern ließen mir Freiräume, ich wurde nie zu etwas gezwungen. Schlimm waren in der Nachkriegszeit aber die Religionslehrer. Viele waren übrig gebliebene Nazis.

    In Ihrem Lied „Wenn der Sommer nicht mehr weit ist“ beschreiben Sie eine schöne Welt, die dann „wie ein Weib ist“. Die Gegenwart mit der Euro-Krise und der Globalisierung ist weniger romantisch.

    Wecker: Wir leben in einer Wirtschaftswelt, die von Psychopathen beherrscht wird. Das sind alles gnadenlose Egoisten, denen jede Form von wärmendem Mitgefühl fehlt.

    Das ist eine pauschale Verurteilung. Wie kämpfen Sie gegen Ungerechtigkeiten an?

    Wecker: Auf meiner neuen CD heißt es: Empört Euch. Ich gehe selbst auf Umverteilungs-Demos, um zu protestieren. Man muss über die Zusammenhänge nachdenken und sich empören. Viele hören auf einmal zu denken auf und sagen bei wirtschaftlichen Problemen: Die Ausländer sind schuld.

    In Günzburg will die NPD eine Woche nach Ihrem Auftritt erneut das Forum anmieten.

    Wecker: So etwas stört mich gewaltig. Es wird höchste Zeit, daran zu arbeiten, dass diese Dreckspartei verboten wird.

    Wie halten Sie die Gegenwart aus, wenn Sie nicht gerade mystisch in der Gegenwart und Ihren Liedern versunken sind?

    Wecker: Meine Empfehlung gilt auch für andere: Ab und zu Luft machen und die Wut hinausschreien.

    Karten für das Konzert gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen.

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