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10. August 2010 20:35 Uhr

Genmais macht Bauern doppelt zu schaffen

Landkreis Für viele Landwirte bedeutet es ein doppeltes Dilemma: Erst brachten sie ohne ihr Wissen Saatgut mit Spuren von gentechnisch veränderten Organismen aus. Dann mussten sie den Mais nach einer Anordnung des Freistaats umpflügen. Jetzt kamen Nachzöglinge ans Tageslicht - teilweise von Hand rupften die Bauern den Genmais aus. Fast alle zehn Betroffenen im Landkreis hatten "überraschend viel Aufwendungen", sagte der Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Krumbach, Georg Stark.

Selbst bei rigorosem Umpflügen habe sich der Mais als widerstandsfähig gezeigt. Doch genau das hat den Bauern die Arbeit schwer gemacht: Teils hätten noch wenige zarte Pflänzchen ausgerissen werden müssen, teils seien es Hunderte gewesen. "Fast nirgends ist es ohne Probleme abgegangen", sagt Stark. Aber wer soll dafür zahlen? Viele Landwirte fordern vom Saatgutlieferanten Pioneer aus Niedersachsen jetzt nicht nur Schadensersatz für die ausgefallene Maisernte, sondern auch einen Ausgleich für den zusätzlichen Aufwand. Eine endgültige Regelung liege noch nicht auf dem Tisch, sagt Stark. Landwirtschaftsminister Helmut Brunner, selbst gelernter Landwirtschaftsmeister, habe sein Wort darauf gegeben, dass es eine Lösung geben wird.

Entschädigung offen

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Eine konkrete Lösung brachte auch das Treffen von Vertretern des Bauernverbands, des Saatgutlieferanten, des Ministeriums und Landwirten Ende Juli in Horgau nicht. Damals sei mit Pioneer vereinbart worden, dass bis nächste Woche ein Angebot gemacht werden soll - "es muss auch den Mehraufwand beinhalten", sagt BBV-Kreisobmann Leonhard Keller.

Juristisches Nachspiel

Auch die Frage nach der juristischen Verantwortung ist noch offen: Pioneer möchte nämlich vor Gericht durch ein Musterverfahren klären lassen, so Ulrich Schmidt, Geschäftsführer von Pioneer Nordeuropa, wer wirklich verantwortlich ist. Gleichzeitig strebt das Unternehmen ein Amtshaftungsverfahren gegen das Land Niedersachsen an. Denn nachdem interne Untersuchungen des Saatguts keine Verunreinigungen ergeben hätten, sei das Saatgut in Umlauf gekommen.

Zu spät seien die Ergebnisse der Proben durch ein Labor des Landwirtschaftsministeriums bekannt geworden, nämlich erst Ende April, nachdem das Saatgut bereits ausgebracht war. Das stimme zwar, so Dr. Gert Hahne, Sprecher des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums. Die Proben waren im Februar entnommen worden, ein Ergebnis sei allerdings innerhalb weniger Wochen nicht zu haben. Verantwortlich sei immer noch der Hersteller für die Qualität seiner Ware. "Wir sind hier nur eine Art TÜV", so Hahne. Auch die zuständige Staatsanwaltschaft in Oldenburg ermittelt inzwischen gegen die Firma wegen Verdachts auf Verstoß gegen das Gentechnikgesetz, so Staatsanwältin Dr. Frauke Wilken.

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