Landkreis Eigentlich müssten sich jetzt die Knospen der Eschen ausbilden. Doch daraus wird bei vielen Bäumen nichts: Sie sind vom Falschen Weißen Stengelbecherchen (lateinisch: Hymenoscyphus pseudoalbidus) befallen – ein Pilz, der viele Eschen über kurz oder lang absterben lässt. Besonders tragisch daran ist, dass die als hitzeverträglich geltende Esche zu den Bäumen gehört, die für den Wald der Zukunft eingeplant waren. „Wir haben sehr stark auf sie gebaut“, sagt Forstdirektor Peter Birkholz vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Krumbach.
Das Eschentriebsterben wurde in Bayern erstmals im Herbst 2008 wahrgenommen. Förster und Waldbesitzer meldeten vereinzelt abgestorbene Triebe und Kronenteile vor allem an jungen, aber auch an älteren Eschen. Am stärksten trat die Erkrankung nach den Beobachtungen der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft im Südosten Bayerns auf, die Befallsintensität war im Nordwesten anfangs deutlich geringer. Inzwischen kommt das Eschentriebsterben in ganz Bayern und auch in fast ganz Europa vor.
Birkholz bezeichnet Hymenoscyphus pseudoalbidus als hochvirulent: Die Sporen des Pilzes werden durch die Luft übertragen, außerdem gibt es bereits mehrere Varianten. Die Wahrscheinlichkeit, dass einzelne Eschen eine Resistenz entwickeln, sei damit eher gering. Trotzdem gibt es Bäume, denen das Falsche Weiße Stengelbecherchen nichts anhaben kann. Auf sie sollen die Waldbesitzer jetzt ein Auge werfen. Einschreiten können sie allerdings nicht. „Man kann nichts machen“, sagt Ulrike Riepel von der Forstbetriebsgemeinschaft Günzburg-Krumbach. Es gebe auch keine chemischen Möglichkeiten, den Pilz zu bekämpfen. Die befallenen Bäume bevorzugt aus dem Bestand zu nehmen, helfe auch nicht, meint Birkholz. Die Befallsdichte lasse sich dadurch nicht verringern. Dafür sollten die resistenten Eschen in den Fokus genommen und gepflegt werden.
Wird die Esche, die als schnell wachsender Baum gerne für Aufforstungen genutzt worden ist, bald Vergangenheit sein? Birkholz schüttelt den Kopf. Die Natur helfe sich selbst. Die Erfahrung in Osteuropa habe gezeigt: 80 Prozent der Eschen seien befallen gewesen, der Rest nicht. Aber für den Wald, der dem Klimawandel standhält, ist die Baumart trotzdem nicht mehr zu gebrauchen. „Damit wird das Spektrum reduziert“, sagt Riepel. „Das ist schade.“ An die Stelle des schnellwachsenden Baums, der besonders häufig in Auwäldern zu finden ist, könnten jetzt teilweise der Ahorn, die Erle oder eventuell die Eiche rücken, so Birkholz.