Freitag, 20. Oktober 2017

16. September 2017 14:29 Uhr

Ursberg

„Ich würde gerne die ganze Bibel übersetzen“

Die Franziskanerschwester Paulis Mels überträgt das Evangelium in Leichte Sprache. Im Interview spricht sie darüber, welche Schwierigkeiten damit verbunden sind.

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Leichte Sprache soll Menschen mit eingeschränkter Lesefähigkeit helfen, am Leben teilzunehmen. Übersetzer haben sich darangemacht, auch die Heilige Schrift in Leichter Sprache herauszugeben. Sr. Paulis Mels von den Franziskanerinnen von Thuine hat vor Kurzem im Dominikus-Ringeisen-Werk in Ursberg darüber berichtet, wie biblische Texte Menschen mit Behinderungen besser zugänglich gemacht werden. Im Interview beschreibt sie, wie oft ein Text geprüft werden muss, bis er den inhaltlichen Vorgaben und der besonderen Grammatik gerecht wird.

Schwester Mels, was ist „Leichte Sprache“?

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Sr. Paulis Mels: Leichte Sprache ist eine reduzierte Sprachvariante, die auch Menschen mit eingeschränkter Lesefähigkeit die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen soll. Also Menschen mit geistiger Behinderung, mit Lernschwierigkeiten, Demenzkranke, oder Menschen, die Deutsch als Fremdsprache lernen oder Gehörlose. Es geht vor allem um die barrierefreie Teilhabe an Informationen. Nach der Ratifizierung der Behindertenrechts-Konvention im Jahr 2009 ist Leichte Sprache seit 2011 in die Rechtsprechung eingegangen. Leichte Sprache zeichnet sich aus durch klare Regeln: pro Satz nur eine Information, keine Fachbegriffe und ein übersichtliches Schriftbild beispielsweise.

Für wen übersetzen Sie das Evangelium in Leichte Sprache?

Sr. Paulis Mels: Im Lauf meiner Tätigkeit in der Behindertenhilfe ist mir deutlich geworden, dass erwachsene Menschen mit geistiger Behinderung, die nicht in einer Pfarrgemeinde oder einer kirchlichen Institution beheimatet sind, vom Wissen um geistliche, spirituelle und biblische Fragen ausgeschlossen sind. Dennoch bohren auch in ihnen die Fragen nach dem Sinn ihres Lebens, nach dem Sinn ihrer Grenzen, an die sie schmerzhaft stoßen. Dieser Personenkreis kann seine Fragen mehr fühlen als stellen, kann sich verbal nur mühsam äußern. Und doch haben sie Anspruch auf Gespräche, auf Antwortmöglichkeiten, auf Deutung ihres Lebens. Sie sind deshalb die spezifische Zielgruppe des Evangeliums in Leichter Sprache. Auch wenn die Texte eher von Multiplikatoren gelesen werden: Für Multiplikatoren wiederum kann es eine Hilfe sein, das Evangelium in vereinfachter Sprache vorzufinden und so mit dem betroffenen Personenkreis ins Gespräch zu kommen.

Möchten Sie als Katholikin Martin Luther nacheifern? Ihm war es ja auch ein Anliegen, die Heilige Schrift so verständlich wie möglich zu übersetzen.

Sr. Paulis Mels: Nein, ich eifere keinem Menschen nach. Unser Anliegen ist es, zu helfen, das Wort Gottes auch denen zugänglich zu machen, denen es sonst verwehrt bliebe. Die Übertragung biblischer Texte ist ein verantwortungsvoller Prozess: Die Prinzipien der Leichten Sprache so anzuwenden, dass die theologische Kernaussage und religiöse Tiefe des Textes dennoch erhalten bleiben.

Könnte das Evangelium in Leichter Sprache ein Medium sein, um es auch glaubensfernen Menschen besser weitersagen zu können?

Sr. Paulis Mels: Ja, davon bin ich überzeugt. Ich habe manchmal den Eindruck, dass das Evangelium beziehungsweise die Bibel in Leichter Sprache einmal eine Rolle in der Neuevangelisierung Europas spielen wird. Aber diese Gedanken spielen bei unserer Arbeit in der Übertragung der Evangelien in Leichte Sprache keine Rolle. Ich habe nur manchmal so etwas wie eine Ahnung.

Wie entsteht die Übersetzung eines Textes?

Sr. Paulis Mels: Wir sind ein Team von verschiedenen Leuten und Gruppen. Ich übersetze den Schrifttext in Leichte Sprache. Den übersetzten Schrifttext lasse ich ruhen und arbeite in der Woche immer wieder daran. Wenn mir scheint, dass er einigermaßen ausgereift ist, schicke ich ihn per E-Mail in eine Prüflesegruppe von Menschen mit Behinderungen. Diese können zwar nicht selbst lesen, hören aber den Text und reagieren darauf – sehr individuell. Der Prüfbegleiter deutet die Reaktionen und ordnet sie der Sprache und dem Inhalt des Textes zu. Dann schreibt er mir, wo es hakt, wo die Sprache zu umständlich ist, wo der Inhalt verwirrend ist. Bald wird eine zweite Prüflesegruppe einsteigen. Die Teilnehmer lesen selber und diskutieren den Text. Auch deren Kommentare werden in die folgenden Texte eingehen. Die Kommentare arbeite ich in den Text ein. Darauf schicke ich ihn ins Katholische Bibelwerk nach Stuttgart. Dort prüft Theologe Dieter Bauer mit einigen Kolleginnen die theologisch-exegetische Seite der Übersetzung. Wenn unzulässige Verflachungen oder Unterlassungen vorkommen, kommentiert Herr Bauer diese und schickt mir die Kommentare mit eventuellen Verbesserungen der Sprache zu. Dieses alles prüfe ich und schicke den nun zweimal überprüften Text zum Caritas-Pirckheimer-Haus (CPH). Der Theologe Claudio Ettl von der CPH und Barbara Reiser, Mitarbeiterin für Inklusion, lesen gemeinsam den Text, indem Frau Reiser laut vorliest. Herr Ettl beachtet die spontanen Kommentare von Frau Reiser zu dem, was sie liest, und leitet davon eventuelle Korrekturen ab. Mit Frau Reiser gemeinsam überlegt er neue Formulierungen und schickt mir diese zu. Bei Bedarf überarbeite ich den Text ein drittes Mal. Je nachdem, ob der Text im Buch erscheinen soll oder auf der Homepage, wird er weiterhin mehrmals gegengelesen. Gleichzeitig wird der Text einem Künstler zugesendet, der ein Bild zu der Kernaussage des Evangelientextes malt.

Welche Teile des Neuen Testaments haben Sie bereits übersetzt?

Sr. Paulis Mels: Bis heute haben wir die Sonntagsevangelien der Lesejahre A, B und C übertragen. Es folgt das Markus-Evangelium in seiner vollständigen Fassung. Bis 2019 sind die Psalmen in Planung.

Soll die ganze Bibel in Leichte Sprache übersetzt werden?

Sr. Paulis Mels: Wir würden gerne die ganze Bibel in Leichte Sprache übersetzen. Aber das ist ein Wunsch, nicht ein Ziel aus Ehrgeiz. Die Mitglieder unseres Teams und ich stehen fest im Beruf und machen die Übertragung in Leichte Sprache quasi nebenbei. Um aber die ganze Bibel in Leichte Sprache zu übersetzen, braucht es viel, viel Zeit und viel Gespräch und Austausch. Denn das Alte Testament hat nicht die eine Bezugsgröße Jesus, um die herum sich alle Erzählungen gruppieren. Es bedarf viel mehr der Erläuterungen von Rahmenhandlungen und historischen Rahmenbedingungen, die wiederum auch in Deutungen eingebettet werden müssen, damit die Frohe Botschaft zum Tragen kommt – auch dann, wenn etwa von kriegerischen Auseinandersetzungen die Rede ist.

Interview: Manuel Liesenfeld

Mehr zum Projekt „Evangelium in Leichter Sprache“ unter www.evangelium-in-leichter-sprache.de. Das Büro für Leichte Sprache des Dominikus-Ringeisen-Werks: www.dominikus-ringeisen-werk.de/leichtesprache

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