Von Peter Bauer und Willi Fischer
Auer präsentiert diese Dokumentation in einem Jahr, in dem in der Stadtgeschichte bedeutende Jubiläen anstehen. Dabei ist es ein bemerkenswerter Begleitumstand, dass diese Jubiläen immer wieder in die jüdische Kultur hineinführen. Vor 60 Jahren wurde in der Heinrich-Sinz-Straße in Krumbach das Heimatmuseum eingerichtet. Zuvor hatten die Nazis die Jüdin Bertha Neuburger gezwungen, das Haus zu verkaufen. Die Straße trägt den Namen von Heinrich Sinz (1871 bis 1951). 1940 hatte Sinz seine Beiträge zur Krumbacher Geschichte vorgelegt. Rund zwei Jahre zuvor war er, als Ichenhauser Stadtpfarrer, Zeuge des Grauens der Reichspogromnacht geworden. In der Person von Herbert Auer schließt sich gewissermaßen ein Kreis. Auer ist 1945 in Ichenhausen geboren. "Oft war ich als Kind auf dem jüdischen Friedhof in Ichenhausen unterwegs", erzählt er. Die jüdische Geschichte sollte ihn ein Leben lang nicht loslassen. Auer, der zuletzt bis zu seiner Pensionierung beim ÜWK als Lagerist arbeitete, ist als Heimatforscher gewissermaßen Autodidakt. Mitunter wird ihm das in Fachkreisen vorgeworfen, bisweilen ist auch von fachlichen Fehlern die Rede. Verkannt wird dabei seine Leistung, das Feld der jüdischen Geschichte den Menschen in breiter Form zugänglich gemacht zu haben. Und er tat dies entschlossen bereits vor Jahrzehnten, zu einer Zeit, als man dafür nicht nur Bewunderung erntete. In seinem neuen Buch fließen all diese Jahrzehnte gewissermaßen zusammen. Es wird am Freitag, 24. September, um 19.30 Uhr im Vortragssaal des Schlosses präsentiert. "Seelen seien eingebunden im Bündel des Lebens" lautet der Titel. Es ist eine umfangreiche Dokumentation der verbliebenen Grabmale auf dem israelitischen Friedhof.
Das Buch, das der Heimatverein herausgibt, ist ein Spiegelbild mühevoller Kleinarbeit, bei der Auer von seiner Frau Heidi unterstützt wurde. Auer hat dafür gesorgt, dass zahlreiche, hebräische Inschriften, die oft fast bis zur Unkenntlichkeit abgewittert sind, teilweise wieder sichtbar wurden. Er hat sie abgepaust und sie teilweise sogar abgezeichnet. Hebräische Inschriften wurden ins Deutsche übersetzt. Nicht immer sei das ganz leicht gewesen, betont der Heimatverein. Einmal erkrankte die Übersetzerin, ein anderes Mal übersiedelte der Übersetzer, ein Rabbiner aus Basel, von der Schweiz nach Israel und war für die Transkription der Grabinschriften unerreichbar geworden.
Karl Günther, Dozent für alte Sprachen an der Theologischen Fakultät der Universität Heidelberg und ehemaliger evangelischer Pfarrer, sowie Matthias Schröder, Student bei Karl Günther, sei es, so der Heimatverein, letztlich zu verdanken, dass die Übersetzungen und Transkriptionen der Inschriften aller Steine fertiggestellt werden konnten. In der reich bebilderten Dokumentation mit einem Lageplan sind knapp über 300 Grabsteine beschrieben. 300: Eine Zahl, die zum Symbol wird für eine wahre Herkulesarbeit. "Nachgedacht
Das Buch kann nach der Buchvorstellung zum Preis von 22,50 Euro pro Exemplar (einschließlich Porto) im heimischen Buchhandel erworben werden. Oder auch bei Willi Fischer (er war für die redaktionelle Betreuung verantwortlich) unter (08282) 7962. Am Tag der Vorstellung am 24. September wird das Buch zu einem Sonderpreis von 20 Euro pro Exemplar abgegeben, "einschließlich Autorensignum und einem Glas koscherem Rotwein aus Israel", wie der Heimatverein schreibt.