Landkreis Die Unsicherheit unter den Gläubigen ist groß und die Gerüchte zahlreich. Fragen, auf die derzeit weder Laien noch Klerus mit Bestimmtheit antworten können. Alles erhofft sich Klärung mit dem bischöflichen Hirtenbrief von Konrad Zdarsa, der am kommenden Sonntag während des Gottesdienstes verlesen werden soll.
„Wir wollen erst mal den Hirtenbrief abwarten“, erklärt Guntram Marx, Pfarrgemeinderatsvorsitzender der Krumbacher Maria-Hilf-Gemeinde. „Momentan fühlen wir uns wie zwischen Himmel und Hölle und können uns die verschiedensten Szenarien nur vorstellen. Erst, wenn wir die Strukturen kennen, können wir entscheiden, ob und an welchen Aktionen wir teilnehmen wollen.“ Eine dieser Aktionen ist eine Menschenkette, die unter dem Motto „Kirche umarmen“ am 4. März die Kirchgänger dazu aufruft, sich an den Händen fassend einen Kreis um ihre Kirche zu bilden.
Mit der gleichen Sympathie, aber etwas nüchterner, sieht Klemens Funk, Pfarrgemeinderatsmitglied von Niederraunau, die Aktion. „Wir bilden gemeinsam mit den Pfarreien St. Michael in Krumbach und St. Martin in Ebershausen eine der ältesten Pfarreiengemeinschaften in der Diözese. Dabei haben wir das Glück, dass uns zusätzlich zu unserem Pfarrer Josef Baur in Niederraunau mit Pfarrer Ehle noch ein Ruhestandsgeistlicher zur Verfügung steht.“ Er betreut in Urlaubszeiten auch noch Sankt Michael in Krumbach und Sankt Martin in Ebershausen. Sollten zukünftig noch Waltenhausen, Aletshausen und Winzer dazu kommen, sieht Funk regelmäßige Gottesdienste für alle beteiligten Kirchen in Gefahr. „Und ich denke“, so Funk, der auch dem Seelsorgeteam und der Kirchenverwaltung angehört, „wenn die Kirche am Ort keine Bedeutung mehr hat, stirbt auch die Gemeinde.“ Funk sieht die Gefahr der Zentralisierung, wo die Laien zu bloßen Kuchenbäckern werden, und eine Rückkehr zu autokratisch, hierarchischen Strukturen.
Dass mit dem Alleingang der Diözese ein Bruch durch die Bischofskonferenz geht, erfüllt Funk, den diplomierten Theologen, mit Sorge. Ebenso das Verbot von Wortgottesdiensten am Wochenende. „Wir sind aber nicht eine Kirche von Priestern und Laien, sondern eine Kirche von Brüdern und Schwestern. Für uns gilt das Neue Testament mehr als das Kirchenrecht.“
Wie das weitere Vorgehen der Pfarreiengemeinschaft aussieht, konnte auch der Pfarrgemeinderatsvorsitzende von Niederraunau, Dr. Christoph Henzler, noch nicht sagen. "Entscheiden werden wir das jedoch demokratisch im Gremium. Auf jeden Fall wollen wir den Hirtenbrief abwarten. Das Schreiben des Generalvikars war für uns nicht so erhellend.“ Ähnlich sieht es auch Dekanatsratsvorsitzende Hildegard Schütz, die ebenfalls den Hirtenbrief abwarten möchte. Dekan Klaus Bucher nimmt zwar die Aufregung seiner Schäfchen wahr, möchte aber beruhigen mit den Worten: „Seid´s gelassen.“ „Jeder Priester ist gehalten, am Sonntag drei Gottesdienste zu halten. Spannend wird es vielleicht an den hohen Feiertagen.“
Für die Dienste der Ministranten sieht er keine Gefahr, auch wenn die jungen Leute vielleicht im Nachbarort ministrieren müssten. „Dann werden sie eben von den Eltern gefahren. Die fahren ihre Kinder ja auch zum Fußballspiel.“ Grundsätzlich sieht er es gern, wenn die Leute ihre Kirche umarmen. „Das sollen sie aber jeden Sonntag tun, indem sie in den Gottesdienst kommen.“
Zum Thema befragten wir auch die vielfältig engagierte Rita Mayer (unter anderem in der Katholischen Landvolkbewegung). Wie sie die Lage einschätzt, erfahren Sie in der Freitagsausgabe der Mittelschwäbischen Nachrichten.