Krumbach Zuerst radelt der Mann im roten Hemd über die Fußgängerampel, dann setzt er vor den Augen der Polizei seine Fahrt auf dem Gehweg der Babenhauser Straße fort. Dass ihn Claus Schedel und Peter Zanker von der Inspektion in Krumbach darauf aufmerksam machen wollen, juckt ihn wenig. Er ignoriert die Beamten. In der nächsten Sekunde ist er am Ende des Fußwegs zwischen Babenhauser Straße und Spitalweg verschwunden. Nichts zu machen. Der Radler hätte auf der Straße fahren müssen, ganz davon abgesehen, dass er den Anweisungen der Ordnungshüter Folge leisten muss. Einfach abhauen – das geht nicht. Er ist nicht der Einzige, der sich an diesem Nachmittag falsch verhält.
Es ist kurz nach 13 Uhr, die Schule ist aus. Zwei Freundinnen kommen gerade die Rot-Kreuz-Straße herauf – auf dem Gehweg. Und auf einem Fahrrad. Ein Mädchen hat auf der Lenkstange Platz genommen, das andere tritt in die Pedale. Die Polizisten Claus Schedel und Peter Zanker halten die Schülerinnen an. „Wenn Du bremsen musst, dann ist es passiert“, versucht Schedel den Freundinnen die Folgen bei einem Unfall klar zu machen. Nicht auszudenken, welche Verletzungen es geben könnte. Fünf Euro müssten die Mädchen jetzt eigentlich bezahlen.
Der Helm baumelt am Lenker
„Fünf Euro stehen nicht im Verhältnis zu dem, was passieren könnte“, findet Peter Zanker. Die beiden Polizisten belassen es bei einer Ermahnung. „So was will ich aber nicht mehr sehen“, sagt Schedel. Das hat gesessen. Die Mädchen laufen kleinlaut weiter. Und der Bub, der seinen Helm an der Lenkstange spazieren fährt, zieht denselben sofort wieder auf. „Ein Unfall ohne Helm, das kann verheerende Folgen haben“, sagt Claus Schedel.
Immer wieder begegnen Kinder und Erwachsene auf ihren Fahrrädern, die keinen Helm tragen. Zanker schüttelt den Kopf beim Blick auf die Unfallstatistik: „Bei Unfällen ohne Helm gab es meistens schwere Verletzungen.“ Es fehlt offensichtlich am Verständnis für die Sicherheit im Straßenverkehr. Dazu kommt, dass mit den neuen E-Bikes die Geschwindigkeit immer höher wird. Die Folgen sind klar: je schneller, desto größer die Verletzungen bei einem Unfall.
Im vergangenen Jahr wurden 27 Unfälle von Radlern im Bereich der Polizeiinspektion Krumbach aufgezeichnet, im Jahr zuvor waren es 31. Wie es 2012 aussieht, lasse sich noch nicht abschätzen, sagt Zanker. Damit sich die Zahl der Unfälle nicht erhöht, setzt die Polizei vermehrt auf Kontrollen: An Schulen warfen die Ordnungshüter bereits ein Auge auf die Jugendlichen. Im Straßenverkehr werden Radfahrer angehalten und auf ihr Fehlverhalten hingewiesen. Dazu gehören auch die fehlenden Handzeichen. „Bei Erwachsenen lässt das Zeichengeben erheblich nach. Bei Kindern und Jugendlichen geht es noch“, sagt Zanker. Umsicht, Rücksicht, Vorsicht: Radfahrer sind wie Fußgänger die schwächsten Verkehrsteilnehmer. Das beweist ein trauriges Beispiel zwei Stunden vor der Fahrt durch Krumbach: In Mindelheim wurde eine Radfahrerin von einem Laster überrollt. "Seite 29