Montag, 22. Januar 2018

30. März 2013 12:41 Uhr

Krumbacher Jahreskunstausstellung:

Schaustoff im besten Sinn

Vom Angelhaken bis zum Zuckerwürfel – aus scheinbar Gewöhnlichem wird Ungewöhnliches

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Schaustoff? „Da haben Sie ja schon die Überschrift“, sprudelt es aus Künstler Wolfgang Mennel regelrecht heraus. Ein kleiner Fehler in einer Werkbeschreibung macht aus Schaumstoff Schaustoff. Und vielleicht ist es gerade dieses neue Wort, dass die Jahreskunstausstellung im Mittelschwäbischen Heimatmuseum ungewöhnlich treffend beschreibt.

Bei der Wahl des „Stoffs“ für ihre Arbeiten zeigen die Künstler eine bemerkenswerte Kreativität: Natürlich klassisches Ölgemälde, Fotografie, aber daneben auch Textilien, Hüllen für Druckerpatronen, ein überdimensionaler Angelhaken aus Stahl, in Kunststoff gegossene Zuckerwürfel und eben Schaumstoff. Das alles ist sozusagen richtig spannender Schaustoff, der dazu anregt, die eigene Wahrnehmung, das „Schauen zu schärfen“, wie es Wolfgang Mennel, Künstler, Mitglied des federführenden Kult-Vereins und einer der Mitorganisatoren der Ausstellung, umschreibt.

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Damit steht auch eine viele Werke tragende Thematik im Raum. Die immer flüchtiger, fragmentierter werdende Wahrnehmung des Menschen im gehetzten, modernen Kommunikationszeitalter. Kunst zwischen Wahrnehmung und scheinbarer Wirklichkeit, dem Festhalten eines Moments und Vergänglichkeit. Oft begegnen wir dem Begriff „Heimat“, seinen Rätseln und seiner Faszination gleichermaßen. Der oft vergeblichen Suche nach „Heimat“, die „anderswo“ ist, wie es Erika Kassnel-Henneberg aus Anhausen mit ihrem Buchobjekt darstellt. Sie wurde mit dem Kunstpreis der Stadt Krumbach ausgezeichnet.

Aus scheinbar gewöhnlichen Stoffen wie Schaumstoff oder auch Kreppband formen die Künstler Ungewöhnliches, Neues, auch Provokantes. „Das könnte ich auch“: Dieser Satz sei schon hier und da von Besuchern zu hören, bestätigt auch Museumsleiterin Anita Roth. Aber ist dem so? Denn mit scheinbar Gewöhnlichem geben die Künstler ungewöhnlichen Ideen eine Form.

Ist in der neuen Jahreskunstausstellung ein Trend ablesbar? Vielleicht eine gewisse Tendenz zur raumgreifenden Installation, die über das klassische Objekt hinausgeht. Doch von dem abgesehen steht auch die Krumbacher Jahreskunstausstellung für die Kunst der Gegenwart. Die Zeit der -ismen, die Jahre, vielleicht Jahrzehnte stilbildend prägten, gibt es längst nicht mehr. Kunst ist so individuell wie die verwendeten Materialien geworden.

Sichtbar wird aber, wie sehr die scheinbar unbegrenzten Kommunikationsmöglichkeiten der Gegenwart die Darstellungsformen beeinflussen. Das flüchtige Fotografieren mit Handy ist zur Selbstverständlichkeit des Alltags geworden. Wie sehr das unsere Sicht der Dinge verändert, spüren wir beim Blick auf die Fotografie „Landschaft 43“ von Christof Rehm aus Augsburg, der mit dem Mittelschwäbischen Kunstpreis ausgezeichnet wurde.

Das Buch „Bilder einer Urlandschaft“ sei 1941 ein „Propagandabuch“ der Nazis gewesen, erläutert Wolfgang Mennel. Nun hat es Rehm ausschnittsweise mit einem Mobiltelefon abfotografiert. In der Neuaufnahme überlagern sich mehrere Schichten. Raster des Originals, Pixelstrukturen des Kamerasensors, digitaler Bearbeitungsprozess, Unschärfen lassen das Foto aus der Nähe wie ein abstraktes Gemälde aussehen. Was also bleibt vom Original? Und welches „Bild“ machen wir uns von den Dingen?

Können in Kunststoff gegossene, graue Zuckerwürfel flüchtig besehen gar das Bild einer Kirche formen? Gedanken, die sich beim Blick auf das Werk von Patricija Gilyte („Münster – sub monte“) fast unweigerlich einstellen. Auch die aus Kaunas/Litauen stammende, in München lebende Künstlerin (von ihr stammt auch die Schaumstoff-Installation) steht für die Bedeutung und Klasse der Ausstellung. Künstler aus ganz Bayerisch-Schwaben und auch darüber hinaus sind vertreten.

Die zahlenmäßige Beteiligung ist heuer so groß wie in keinem Jahr zuvor. Die Räumlichkeiten des Mittelschwäbischen Heimatmuseums sind in der Kunstszene sehr geschätzt. In diesem Jahr sind insgesamt 77 Werke zu sehen. Schaustoff im besten Sinn.

Künstler und Öffnungszeiten: Weitere Infos zur Krumbacher Jahreskunstausstellung:

Anfänge:

Die Jahreskunstausstellung gibt es seit 2001.

Preise:

Kunstpreis der Stadt Krumbach (seit 2003, 500 Euro, die Sparkasse Günzburg-Krumbach erwirbt überdies das prämierte Werk). Ferner wird der Mittelschwäbischer Kunstpreis des Landkreises Günzburg vergeben (seit 2011, 1500 Euro).

Jury:

Zur ihr gehören Vertreter des Kult-Vereins, verschiedene Künstler, externe Sachverständige und die Preisträger des Vorjahres.

Ausstellung 2013:

Insgesamt 77 ausgestellte Werke von 71 Künstlern. Von 144 Künstlern waren 262 Werke eingereicht worden – so viel wie in keinem Jahr zuvor.

Preisträger 2013:

Erika Kassnel-Henneberg aus Anhausen (Kunstpreis der Stadt Krumbach), Christof Rehm aus Augsburg (Mittelschwäbischer Kunstpreis).

Öffnungszeiten:

Die große Jahreskunstausstellung ist noch bis zum Sonntag, 14. April im Heimatmuseum Krumbach für Besucher zugänglich. Die Öffnungszeiten sind wöchentlich Donnerstag bis Sonntag, 14 bis 17 Uhr. Geöffnet ist das Museum auch am Ostermontag, 1. April von 14 bis 17 Uhr.

Führung:

Eine Führung durch die Ausstellung gibt es am Samstag, 6. April, um 16 Uhr. Eine Voranmeldung ist nicht erforderlich. Jazz-Finissage Die Kunstausstellung endet mit einem musikalischen Höhepunkt. Am Sonntag, 14. April, spielt ab 14 Uhr die Gruppe „Jazz im Ohr“. (pb/siba)

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Ein Artikel von
Peter Bauer

Mittelschwäbische Nachrichten
Ressort: Lokalnachrichten Krumbach

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