Dienstag, 18. Juni 2013

22. September 2011 21:30 Uhr

Standortsuche

Thema Windkraft spaltet die Gemeinde

Waltenhauser Bürgerinitiative Von Sabine Relovsky

Waltenhausen In der knapp 700-Einwohner-Gemeinde Waltenhausen kennt fast jeder jeden. Die Dorfgemeinschaft zählt viel. Doch nun treibt sich ein Keil in diese harmonische Gemeinschaft, in Form einer Windkraftanlage. Der Regionalverband Donau-Iller hatte in einer Sitzung im Mai 2011 beschlossen, ein neues Konzept für die Windenergie zu erarbeiten. Als Grundlage für die Planung stehen regionsweit die neuen Windhöffigkeitsdaten, das durchschnittliche Windaufkommen an einem Standort, des TÜV SÜD zur Verfügung. Detaillierte Karten zur Windhöffigkeit, also dem durchschnittlichen Windaufkommen an einem bestimmten Standort als Maßstab für die Gewinnung von Windenergie, wurden den betroffenen Gemeinden, auch Waltenhausen, zugeschickt.

Waltenhausen hat keinen geeigneten Standort

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Der Gemeinderat hatte nun die Aufgabe, Vorschläge über einen möglichen Standort für ein Windkraftwerk innerhalb der Gemeindegrenzen abzugeben. In der letzten Gemeinderatssitzung wurde über einen Standort im „Kälbergehau“ diskutiert, der rund 1500 Meter von den letzten Häusern von Waltenhausen, Weiler und Hairenbuch, entfernt ist. Der Regionalverband Donau-Iller empfiehlt einen Mindestabstand von 800 Metern zu Siedlungen und 500 Meter zu Einzelgehöften. Bei dieser Gemeinderatssitzung im August meldete sich zum ersten Mal auch eine Bürgerinitiative zu Wort. Gemeinderat Thomas Frick, der die Bürgerinitiative unterstützt, war sich ganz sicher: „Waltenhausen hat keinen geeigneten Standort“.

Mitte September lud nun die Gemeinde Waltenhausen ihre Bürger zu einem Informationsabend ein. Richard Mair vom Verein „renergie Allgäu“ trat als neutraler Referent auf. Mair beleuchtete die Thematik von allen Seiten. „Auch ich bin dafür, dass die Menschen dadurch nicht beeinträchtigt werden“, erläuterte Richard Mair gleich zu Anfang. Genauso sieht er die Windräder an den Küsten für sehr problematisch für die Tierwelt und ist für Windkraftanlagen an Land. „Aber auch hier muss man die Empfindlichkeit für Mensch und Tier sehr ernst nehmen“, so Mair.

Er sah auch die Problematik der dichten Besiedelung, die es schwer mache, einen geeigneten Standort zu finden. Richard Mair wies auf die Notwendigkeit einer „Windmessung“ hin. Diese könnte zwar bis zu einem halben Jahr dauern und es würden Kosten von ungefähr 10 000 bis 18 000 Euro je nach Messung anfallen, aber es würde auch der Gemeinde Sicherheit geben. Insgesamt, so Mair, wären noch viele weitere Punkte, wie auch nachbarschaftliche Verhältnisse zu anderen Gemeinden, Mindestabstände zu Häusern und die Bodenhaftigkeit, sicherlich abzuklären. Bei der Frage zum sogenannten Infraschall gab Mair offen zu: „Ich habe keine Ahnung, wie sich dieser auf die Tiere und Menschen auswirkt, man muss es ernst nehmen, wenn es doch irgendwann messbar wird, dann sollte man abschalten“.

Gegen zu geringe Abstände zum Ort

Ein paar Tage nach dem Infoabend veranstaltete die Bürgerinitiative einen „Aufklärungsabend“, in dem sie ihre Ziele vorstellte. Referent Albert Frick gleichzeitig erster Vorsitzender der Initiative, betonte gleich zu Anfang: „Wir sind nicht gegen eine Windkraftanlage, aber gegen zu geringe Abstände zum Ort“. Am Beispiel zweier Gemeinden, deren Windkraftanlage einmal 600 Meter und einmal 800 Meter, von den jeweiligen ersten Häusern der Gemeinden entfernt sind, erklärte Frick das Problem des Windradlärms. Nach Befragung der Anwohner durch Frick, gab es durchaus unterschiedliche Aussagen: Bei zwei Haushalten laufe eine gerichtliche Auseinandersetzung, weil Bewohner den Lärm nicht mehr aushalten und andere Anwohner wiederum haben kein Problem mit dem Windrad. Auch in der nachfolgenden Diskussion war klar zu erkennen, dass dieses Thema die Gemeinde Waltenhausen durchaus spaltet.

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