Donnerstag, 23. Mai 2013

02. Mai 2012 12:11 Uhr

Brunnenfest

Virtuose Blasmusik in kleinster Besetzung

„Allgäu 6“ im Festzelt in Waltenhausen

In kleinster Besetzung bieten die Allgäu 6 tolle Blasmusik. So auch beim Brunnenfest in Waltenhausen.
Foto: Claudia Bader

Waltenhausen Eigentlich ist es ganz egal, was auf ihren Notenpulten liegt. Berthold Schick und seine Allgäu 6 machen jeden Vortrag, darunter vorwiegend Polkas, Märsche und Walzer, zu einem klanglichen Fest. In Minimalbesetzung, dafür aber mit virtuosem Können, ver-sprühten sie ein Feuerwerk an akustischen Glanzpunkten, Stimmung und guter Laune. Die Besucher des Brunnenfestes in Waltenhausen genossen die mit launigen Worten moderierte hochwertige böhmisch-mährische Blasmusik-Mischung.

Diese Besetzung ist vom Kleinsten, aber vom Feinsten, erkannten die Zuhörer bereits, als die Sieben-Mann-Kapelle mit dem Veteranen-Marsch einen wuchtigen Auftakt setzte. In der Tat stellt das Ensemble um Berthold Schick mit der Verkleinerung einer böhmischen Blaskapelle auf Minimalbesetzung wohl einen Rekord auf. Sie ist reduziert auf die allernotwendigsten Instrumente: zwei Flügelhörner, zwei Tenorhörner/Baritone, eine Trompete, eine Tuba und Schlagzeug. Fertig. Die sonst üblichen Holzbläser fehlen.

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Berthold Schick führt seine Musiker mit klarer Gestik. Scheinbar spielerisch gelingt es ihm, sein Ensemble zu Höchstleistungen zu motivieren, jeden Titel zum musikalischen Schmankerl werden zu lassen. Die Festzeltbesucher hörten rasch, dass Allgäu 6 nicht nur im Zusammenspiel spitze sind. Jeder Musiker ist auch ein exzellenter Solist. Da ist einer besser als der andere, allen voran Kapellenchef Schick, der schon beim legendären Ernst Mosch mitgespielt hat. Seine solistisches Paradestück ist „Der schicke Berthold“, in dem sich das Böhmische mit dem Jazz verbrüdert.

Flötenstück auf der Trompete dargeboten

Da Matthias Hassloch seine Piccolo-Flöte nicht dabei hatte, spielte er das „niegelnagelneue“ Potpourri „Piccolino“ kurzerhand auf der Piccolo-Trompete. Besser hätte ihm der Vortrag auch auf der Flöte nicht gelingen können, bescheinigte lautstarker Applaus. Auch die Soli der weiteren Ensemblemitglieder bildeten mitreißende Glanzpunkte. „Haben sie Lust auf Böhmisch?“ Dem „Ja“ aus dem Publikum ließ das ausgezeichnet harmonierende Ensemble eine flotte „Anna-Polka“ folgen.

Dem mit Bariton- und Flügelhornsolo bereicherten „Max und Moritz“ schloss sich ein zünftiger Rekrutenmarsch an. Beim genauen Hinhören konnte man aus der gemütlichen Polka „Allgäuer Mühle“ das langsame und behutsame Drehen des Mühlrads vernehmen. Mit seiner Länge von rund 3,50 Metern bot das Alphorn nicht nur einen Blickfang. „Da dieses Schweizer Handy keine Ventile hat, muss man mit den Lippen die Naturtöne formen“, erklärte Berthold Schick. Bewundernswert, wie klangrein ihm dies in der „Alphorn-Ballade“ gelang. Und schon ging es im Polka-Takt weiter. Der schmissigen Komposition „Auf zur Wies’n“ ließen Allgäu 6 eine romantische „späte Liebe“ sowie den „Astronautenmarsch“ folgen. Schade, dass die Zuhörer im hinteren Festzeltbereich die gebotene Blasmusik der Spitzenklasse nicht mit der nötigen Aufmerksamkeit würdigten. (clb).

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