„Eine Verkehrswüste“: Das sei Mittelschwaben Anfang des 20. Jahrhunderts gewesen. Theo Waigels Rede bei der Flexibus-Feierstunde im Ursberger Klosterbräuhaus wurde zu einer ungewöhnlichen Reise durch die Zeitgeschichte. 455 Haltestellen gibt es inzwischen im Einzugsbereich des Rufbusses Flexibus, zu dem seit gestern auch Ursberg und Neuburg gehören. Die Menschen können damit gewissermaßen vor der Haustür in ihren Bus steigen. Ein Komfort, der bis vor Kurzem noch undenkbar war, weil die entsprechende Technik nicht zur Verfügung stand.
Planungen für Mindel- und Zusamtal „weit fortgeschritten“
Der Flexibus ist zu einer Erfolgsgeschichte geworden. 2009 war der Rufbus für Krumbach und die Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft Krumbach (Aletshausen, Waltenhausen, Ebershausen, Breitenthal, Deisenhausen und Wiesenbach) eingeführt worden. Nun wurde der Bereich auf Ursberg und Neuburg ausgeweitet. Und die Planungen für das Mindel- und Zusamtal seien bereits „weit fortgeschritten“, wie Josef Brandner, Geschäftsführer des federführenden Unternehmens BBS, betonte.
Quasi vor der Haustür in den Bus steigen: Was dies bedeutet, machte der frühere Bundesfinanzminister Dr. Theo Waigel deutlich. Er erinnerte an die erste Buslinie in den 1920er Jahren. Schon damals, am 30. September 1926, stand der Ursberger Klosterhof im Mittelpunkt denkwürdiger Momente, die für die Anfänge des Öffentlichen Personennahverkehrs stehen, wie Josef Brandner erwähnte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Netz der Buslinien deutlich enger. Aber es war immer noch ein Glücksfall, an der B 300 zu wohnen. Abgelegene Ortsteile wie etwa Premach waren vom Öffentlichen Personennahverkehr praktisch abgeschnitten. Gerade für ältere Menschen oder für Menschen mit Behinderung war es oft mit erheblichen Mühen verbunden, eine weit entfernte Bushaltestelle zu Fuß zu erreichen. Hier bringt der Flexibus wesentliche Verbesserungen, zudem werden durch ihn auch abgelegene Ortschaften erschlossen. „Mach Dich fit durch Defizit“: Dieser Satz gelte, so betonte Waigel, im Fall Flexibus. Investitionen der öffentlichen Hand seien beim Flexibus gut angelegt. Durch den Flexibus werde der ländliche Raum maßgeblich gestärkt.
Dies betonten auch die weiteren Redner des Tages, die Bürgermeister Peter Walburger (Ursberg) und Rainer Schlögl (Neuburg) sowie BBS-Geschäftsführer Josef Brandner. Landrat Hubert Hafner würdigte die beachtlichen Fahrgastzahlen. Im Jahr 2010 seien es über 30 000 gewesen. Der Flexibus sei ein „Erfolgsrezept“. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von Schülern der Grundschule Ursberg. Gesegnet wurde der Flexibus von Monsignore Ludwig Gschwind, der „gute Fahrt“ wünschte. Eine „gute Fahrt“ hat der Flexibus bislang in der Tat hinter sich. Und sie soll weitergehen. Demnächst wohl in Richtung Thannhausen, Ziemetshausen und weitere Gemeinden des Mindel- und Zusamtals.